
Jan Fitschen nach dem Sieg zu seinem ersten Europameistertitel über 10.000 Meter. © Photo Run / Jiro Mochizuki
Jan Fitschen ist in Göteborg sensationell Europameister geworden. In seinem gerade einmal vierten Rennen über 10.000 Meter konnte sich der 29-jährige Läufer des TV Wattenscheid gegen die starke spanische Konkurrenz durchsetzen und nach 32 Jahren das erste Mal wieder einen 10.000-m-Europameistertitel nach Deutschland bringen. Und in seinem vierten 10.000-m-Rennen blieb er ungeschlagen.
Sie sind seit 32 Jahren wieder der erste Deutsche EM-Goldmedaillengewinner über die 10.000 Meter. Wie fühlt sich das an?
Jan Fitschen: Das fühlt sich super an. Ich kann es eigentlich immer noch nicht glauben. Am Abend nach dem Rennen haben wir im Deutschen Haus noch ein wenig gefeiert, bis wir dann rausgeschmissen wurden. Dann sind wir zum Hotel zurück und haben noch bis um vier Uhr draußen gesessen und gequatscht. Ich konnte aber nicht wirklich schlafen und bin morgens dann erst einmal spazieren gegangen. Ich bin noch total überdreht und kann es gar nicht glauben. In zwei Jahren habe ich das wahrscheinlich erst kapiert.
Wie haben Sie das Rennen gesehen?
Jan: Es war ein gutes Rennen, auch wenn es hart war mit den Tempowechseln. Ich wusste, dass die Spanier so etwas machen würden, aber ich dachte auch, sie würden noch besser zusammenarbeiten. Ich bin davon ausgegangen, dass de la Ossa bis 5.000 Meter für Martinez Tempo machen und dann aussteigen oder sich zurückfallen lassen würde. Da habe ich mich geirrt. Im Lauf selber habe ich versucht mir kleine Ziele zu stecken. Von Runde zu Runde zu gehen.
Und die Schlussphase?
Jan: 1000 Meter vor dem Ziel dachte ich dann, Mensch, die letzten Meter sind doch meine Stärke. Dann aber kam der erste Einbruch bei mir und ich dachte ,Scheiße’. Dann habe ich mich wieder gefangen und bin an de la Ossa heran gelaufen. Doch er drehte sich gerade in diesem Moment um und zog wieder das Tempo an. Da kam dann mein nächster Einbruch. Als ich mich dann in der letzten Runde wieder heran gekämpft hatte und in der letzten Kurve die beiden Spanier eingeholt hatte, wusste ich, dass ich es schaffen kann.
Der 1500-m-Läufer Carsten Schlangen hat im Vorfeld der EM ein kleines Home-Video über Sie mit der Handy-Kamera aufgenommen. Da haben Sie über Ihre Zielvorstellung bei der EM gesagt, sie wollen Europameister werden. Wussten Sie, was kommen würde?
Jan: Nein. Das war nur Blödsinn, totaler Quatsch. Man muss manchmal im Vorfeld einfach ein bisschen hochstapeln. Aber es war wie gesagt nicht ernst gemeint und daran hätte ich im Leben nicht geglaubt.
Wie ist ihr Verhältnis zu ihrem einstigen Vorbild Dieter Baumann?
Jan: Wir beide verstehen uns gut, allerdings gibt es auch einige Meinungsunterschiede, zum Beispiel was die Trainingsmethoden betrifft. Er denkt, er hat alles richtig gemacht, weil er Olympiasieger geworden ist. Aber jeder muss für sich selbst sehen, was das Beste ist. Nicht jeder verarbeitet eine Trainingseinheit so wie der andere. Ich trinke auch gerne mal ein Bier oder esse ein Stück Schokolade, was Dieter überhaupt nicht ab kann. Dafür isst er aber zum Beispiel ein Stück Kuchen und trinkt Kaffee, was ich wiederum nicht mache. Ich bin nicht der neue deutsche Dieter Baumann, sondern der neue deutsche Jan Fitschen.
Was nehmen Sie sich nach diesem Erfolg vor? Es war ja gerade einmal ihr viertes 10.000-m-Rennen in Ihrer Karriere.
Jan: Das stimmt. Mir ist schon bewusst dass der Laufbereich in Deutschland nicht besonders stark ist, und dass wir international nicht gut mithalten können. Aber manchmal muss man zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und dann noch ein Quäntchen Glück haben. Ich werde jetzt einfach mal schauen und mich aber nicht einschüchtern lassen.
Was machen Sie jetzt als nächstes?
Jan: Eigentlich wollte ich mit meiner Freundin Urlaub machen, aber daraus wird wohl erstmal nichts. Ich habe jetzt die Chance doch noch bei ein paar Meetings zu starten. Ich war in dieser Saison schon viel Unterwegs, in diversen Höhentrainingslagern und auf einigen Wettkämpfen.