Henry Sugut und Hellen Kimutai gewinnen Wien-Marathon

Von Jörg Wenig

Auf dem Heldenplatz in Wien holt Henry Sugut den Titel. © VCM / Sergio Quiros

Auf dem Heldenplatz in Wien holt Henry Sugut den Titel. © VCM / Sergio Quiros

Bei der 27. Auflage des Vienna City-Marathons kamen erstmals in der Geschichte des Rennens beide Sieger aus dem Läuferland Kenia. Henry Sugut setzte sich dabei überraschend bei den Männern durch. Mit 2:08:40 Stunden erreichte er angesichts der windigen Bedingungen eine beachtliche Zeit. Schnellste Frau war Hellen Kimutai in 2:31:08.

Die Rekordzahl von 32.940 angemeldeten Läufern aus 108 Nationen konnte bei Österreichs größtem Straßenrennen durch die historische Stadt Wien verzeichnet werden. Der attraktive Kurs des Marathons führt vorbei am Schloss Schönbrunn, dem Wiener Rathaus und dem Stephansdom.

Das Männerrennen begann schnell, und es sah so aus, als ob der Kursrekord von Abel Kirui (Kenia/2:07:38) gebrochen werden könnte. Die Temperaturen waren im Gegensatz zu den letzten Jahren in Wien dieses Mal mit 8° Celsius bei Sonnenschein am Start ideal. Entsprechend schnell waren die ersten Zwischenzeiten. Die Spitzengruppe passierte die 5-Kilometer-Marke nach 14:50 Minuten, der 10-km-Punkt war nach 30:07 erreicht. Dann allerdings nahm der Wind deutlich zu, was dazu führte, dass die Tempomacher müde und die Kilometerzeiten langsamer wurden. Schon bald nachdem die Spitzengruppe die Halbmarathonmarke in 64:30 Minuten erreicht hatte, stieg der letzte Tempomacher aus.

Bei den windigen Bedingungen lagen am 25-km-Punkt (1:16:15 Stunden) noch elf Läufer vorne. Erst nach der 30-km-Marke (1:32:19) lösten sich vier Läufer aus der Gruppe: Henry Sugut und seine kenianischen Landsleute Paul Kimugul und Joseph Lomala Kimospo sowie der Äthiopier Mesfin Ademasu. Etwa fünf Kilometer vor dem Ziel zog dann Henry Sugut davon und lief den nächsten Kilometerabschnitt in 2:55 Minuten. Damit entschied er das Rennen für sich.

Der 24-jährige Kenianer hatte vor dem Wien-Marathon erst ein Rennen über die 42,195 km absolviert. Im vergangenen Oktober wurde er in Reims in 2:10:45 Dritter. In Wien konnte er sich nun mit einer Zeit von 2:08:40 Stunden um über zwei Minuten verbessern. Der zweitplatzierte Joseph Lomala Kimosop stellte mit 2:09:32 ebenfalls eine persönliche Bestzeit auf. Dritter wurde der Äthiopier Mesfin Ademasu in 2:09:41. Eine europäische Jahresbestleistung erreichte der Pole Henryk Szost als Vierter in 2:10:27. „Ich bin froh und stolz, dass ich den Vienna City-Marathon gewonnen habe. Bei meinem nächsten Rennen will ich mich weiter verbessern”, sagte Henry Sugut.

Der favorisierte Kenianer Felix Limo lief auf Rang sieben in 2:11:34. Luke Kibet (Kenia), der Marathon-Weltmeister und Wien-Sieger von 2007, stieg mit einer Wadenmuskelverletzung schon vor Ende des ersten Kilometers aus.

Der Österreicher Günther Weidlinger kam in seinem dritten Marathon mit einer Zeit von 2:14:05 Stunden auf Rang zwölf. Ein Wadenproblem hatte ihm Probleme bereitet, nachdem es in der Anfangsphase des Rennens so ausgesehen hatte, als könnte er eine Zeit unter 2:10 laufen. „Aber bei Kilometer zehn habe ich schon etwas in der Wade gemerkt”, erzählte Günther Weidlinger, der dann nach 26 km aufgrund der Schmerzen stehen blieb. „Ich saß auf dem Boden, aber dann habe ich mir gesagt, du kannst hier in Wien vor heimischem Publikum nicht aufgeben. Also bin ich weitergelaufen, was natürlich besonders schwer war, da ich fortan alleine rennen musste. Die letzten 16 km bin ich praktisch mit einem Fuß gelaufen, aber ich wollte unbedingt am Heldenplatz ankommen”, erzählte Günther Weidlinger, der sich nun auf den Europameisterschafts-Marathon in Barcelona vorbereiten wird.

Im Frauenrennen hatte eine vierköpfige Spitzengruppe die Halbmarathonmarke nach 1:14:40 Stunden erreicht. Dies waren die österreichische Titelverteidigerin Andrea Mayr, die zweimalige Wien-Siegerin Luminita Talpos (Rumänien/2007 und 2008) sowie Irene Mogaka und Hellen Kimutai. Die beiden kenianischen Läuferinnen gingen dann vor der 25-km-Marke in Führung, und später löste sich Irene Mogaka von ihrer Landsfrau. Sieben Kilometer vor dem Ziel hatte sie sechs Sekunden Vorsprung. Doch sie konnte das Tempo nicht halten, und so überholte Hellen Kimutai sie fünf Kilometer vor dem Ziel.

Die 32-Jährige, die bereits vor zehn Jahren Zweite in Wien war, gewann dieses Mal mit 2:31:08 Stunden vor Irene Mogaka (2:31:28) und der am Ende stark aufkommenden Olha Kalenarova-Ochal (Ukraine/2:33:05), die zwischenzeitlich einen großen Rückstand von über zwei Minuten hatte. Vierte wurde Luminita Talpos in 2:33:37, Rang fünf belegte Andrea Mayr (2:34:09).

„Ich wusste, dass Wien ein gutes Rennen ist, ansonsten wäre ich nicht hierher zurück gekommen”, sagte Hellen Kimutai, die eine persönliche Bestzeit von 2:25:52 Stunden hat. Auf die Frage, wie sie es als vierfache Mutter (die Kinder sind elf und acht Jahre alt, ihre Zwillinge sechs) schafft, so erfolgreich zu sein, erklärte die Kenianerin: „Mein Mann kümmert sich um die Kinder. Er arbeitet als Farmer und unterstützt mich auch im Training. Meinen Erfolg verdanke ich ihm.”