Haile verpasst die Weltrekord-Dollar-Million in Dubai knapp

Haile Gebrselassie gewinnt den Dubai-Marathon und ist nun der erste Läufer, der zweimal unter 2:05 Stunden blieb. © Dubai Marathon

Haile Gebrselassie gewinnt den Dubai-Marathon und ist nun der erste Läufer, der zweimal unter 2:05 Stunden blieb. © Dubai Marathon

Superstar Haile Gebrselassie hat es trotz perfekter Wetterbedingungen auf der wohl flachsten Strecke der Welt nicht geschafft, seinen eigenen Marathon-Weltrekord zu brechen. Um nur 28 Sekunden hat der Äthiopier die höchste Prämie in der Geschichte des Laufsports verpasst. Eine Million Dollar hatten die Veranstalter des Standard Chartered Dubai-Marathons mit Hilfe des Investment-Unternehmens Dubai-Holding neben dem Sieggeld von 250.000 Dollar für einen neuen Weltrekord ausgelobt. 2:04:26 Stunden war der äthiopische Ausnahmeläufer in Berlin am 30. September des vergangenen Jahres gerannt, als er den Weltrekord des Kenianers Paul Tergat um 29 Sekunden unterboten hatte. Nach 2:04:53 war er nun in Dubai im Ziel. Das Rennen der Frauen gewann in den Vereinigten Arabischen Emiraten Gebrselassies Landsfrau Berhane Adere in hochklassigen 2:22:42 Stunden. Alles zusammen, Rennen über 4 und 10 km zugerechnet, hatten sich knapp 15.000 Läufer in Dubai angemeldet.

Immerhin war das Resultat von Haile Gebrselassie in Dubai die zweitschnellste Zeit aller Zeiten über die klassischen 42,195 km. Nur der zweifache 10.000-m-Olympiasieger selbst, der in seiner Karriere bisher 18 offizielle und sieben inoffizielle Weltrekorde aufstellte, war jemals schneller. Und Haile Gebrselassie konnte sich mit der höchsten Siegprämie der Marathon-Geschichte trösten. „Es tut mir leid, dass ich es nicht geschafft habe, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Aber es ist auch für mich nicht so einfach wie viele denken, einen Weltrekord zu brechen“, sagte Haile Gebrselassie, der sich nun auf den Marathon-Olympiastart in Peking vorbereiten wird. Danach ist ein Start beim New York-Marathon denkbar.

Auf der komplett flachen Strecke ging Gebrselassie bei perfekten Wetterbedingungen (11° Celsius beim Start, kein Wind) nach einem furiosen Beginn auf den letzten zehn Kilometern die Puste aus. Tempomacher hatten Haile Gebrselassie nach superschnellen 28:39 Minuten zur 10-km-Marke gezogen, nach 61:27 Minuten war die erste Hälfte gelaufen – keine schlechte Siegzeit in einem Halbmarathonrennen. Doch die Pacemaker hatten übertrieben. Dabei war es ausgerechnet ein Läufer aus dem eigenen Stall von Hailes Manager Jos Hermens, Jackson Koech (Kenia), der am Anfang wesentlich zu schnell losgerannt war. „Vielleicht war er in guter Form“, nahm es Haile Gebrselassie später bei der Pressekonferenz mit Humor, nachdem ihm die Enttäuschung über den verpassten Rekord zunächst anzusehen war.

Das zu schnelle Tempo hatte sich am Ende bitter gerächt, Gebrselassie wurde alleine laufend müde und der Weltrekord geriet außer Reichweite. „Ich muss mich zukünftig am Anfang mehr zurückhalten“, sagte der 34-Jährige, der aber mit großem Vorsprung vor den Kenianern Isaac Macharia (2:07:16) und Sammy Korir (2:08:01) ins Ziel kam. „Ich habe schon kurz vor dem Ausscheiden des letzten Tempomachers Abel Kirui bei Kilometer 30 gesehen, dass Haile müder wird“, erklärte Jos Hermens. Der Holländer hatte ebenso wie Gebrselassie selbst in der Anfangsphase des Laufes die Gelegenheit verpasst, das Tempo zu drosseln. „Die Bedingungen waren einfach unglaublich. Ich dachte, dies könnte ein sehr spezieller Tag werden und vielleicht geht es auch mit diesem Supertempo“, erklärte Jos Hermens, der aber auch sagte: „Haile hätte selbst das Tempo jederzeit drosseln können – er ist ja der Chef im Rennen.“

Bei 30 km war Haile Gebrselassie mit einer Zwischenzeit von 1:28:01 Stunden noch 53 Sekunden schneller als in Berlin im September. Doch in der Folge verlor er sichtbar an Fahrt, der Vorsprung im Vergleich zu seinen Berliner Zwischenzeiten schmolz bei steigenden Temperaturen in der Sonne von Dubai. Bei 40 km war es vorbei mit dem Millionentraum. Nach 1:58:20 passierte Gebrselassie diese Marke, nunmehr 13 Sekunden langsamer als in Berlin.

„Mir war das Tempo am Anfang zu schnell. Daher habe ich mich gleich zurückfallen lassen und bin in einer zweiten Gruppe mein eigenes Tempo gerannt“, erklärte Sammy Korir. Der Kenianer, mit einer Bestzeit von 2:04:56 Stunden der nach wie vor drittschnellste Läufer aller Zeiten, war nach diversen Verletzungsproblemen zufrieden mit seiner Zeit von 2:08:01 und Rang drei.

Im Rennen der Frauen stieg die Cross- und Halbmarathon-Weltmeisterin Lornah Kiplagat (Kenia) kurz nach der Halbmarathonmarke aus. Dadurch war der Weg frei für die Äthiopierin Berhane Adere, die im Oktober den Chicago-Marathon gewonnen hatte. Für ihren Erfolg in der Kursrekordzeit von 2:22:42 erhielt auch sie ein Sieggeld von einer Viertelmillion Dollar. Hier belegten ihre Landsfrauen Bezunesh Bekele (2:23:09) und Askale Tafa (2:23:23) die nächsten Ränge.

Mit großer Spannung wartete in den frühen Morgenstunden in Berlin der Race-Direktor des Berlin-Marathons, Mark Milde, auf die Zwischenzeiten und Ergebnisse, die er per SMS aus Dubai erhielt. “Ich war angespannt, denn es war mir klar, dass dies von Haile ein absolut ernsthafter Rekordversuch war. Meine Hoffnung war, dass das Wetter schlecht sein könnte oder dass Haile zu schnell anläuft – letzteres ist dann passiert, wie mir die Zwischenzeiten zeigen“, erklärte Mark Milde, der aber auch hinzufügte: „Mir ist natürlich bewusst, dass Rekorde da sind, um gebrochen zu werden. Aber jetzt bin ich erst einmal froh, dass unser Rekord noch steht.“

Dennoch: Der Dubai-Marathon hat sich am Freitag früh unter den schnellsten Rennen der Welt etabliert. Und mittelfristig ist es durchaus denkbar, dass in den Vereinigten Arabischen Emiraten der Weltrekord fällt. „Wir haben mit diesem Rennen heute den bisher größten Schritt nach vorne gemacht“, erklärte der irische Race-Direktor des Laufes, Peter Connerton.

Ergebnisse Standard Chartered Dubai-Marathon:

Männer:

1 Gebrselassie, Haile ETH 2:04:53
2 Macharia, Isaac KEN 2:07:16
3 Korir, Sammy KEN 2:08:01
4 Shentema, Gudisa ETH 2:09:27
5 Tesfaye, Tola ETH 2:09:38
6 Kipkoech, Raymond KEN 2:09:39
7 Chisma, Deressa ETH 2:10:16
8 Fikadu, Asnake ETH 2:11:04
9 Gashaw, Melese ETH 2:12:03
10 Rotich, William Todo KEN 2:12:20

Frauen:

1 Adere, Birhane ETH 2:22:42
2 Bezunesh, Bekele ETH 2:23:09
3 Magarsa, Askale Tafa ETH 2:23:23
4 Cheruiyot, Rose KEN 2:25:48
5 Chelengat, Alice KEN 2:27:29
6 Roba, Asha Gigi ETH 2:28:24
7 Gemechu, Shitaye ETH 2:30:20
8 Tola, Roba Guta ETH 2:33:44
9 Teka, Kidst ETH 2:35:58
10 Kimani, Lucia KEN 2:37:37

Crossrennen in Kenia gestartet

In Kenia fand erstmals seit den Wahlen zum Jahreswechsel und den daraus folgenden Unruhen wieder ein Wettkampf statt. Wie der internationale Leichtathletik-Verband berichtet, wurden am Wochenende in Nyahurugu regionale Crosslauf-Meisterschaften gestartet. Der Ort liegt nordwestlich der Hauptstadt Nairobi und ist nicht weit entfernt von Iten und Eldoret, einem Zentrum der Unruhen.

Während andere geplante Veranstaltungen nach wie vor nicht stattfinden konnten, verlief die Veranstaltung in Nyahurugu ohne Zwischenfälle. Über 12 km siegte KIMbia’s Charles Munyeki in 36:43,78 während sich bei den Frauen über 8 km Milicent Gathoni mit 27:48,58 durchsetzte.

Irina Mikitenko trifft beim London-Marathon auf Paula Radcliffe

Zum ersten Mal seit vielen Jahren wird wieder eine deutsche Topläuferin beim in der Regel hochkarätigsten City-Marathon der Saison an den Start gehen: Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) läuft am 13. April beim London-Marathon. Die 35-Jährige war im September in Berlin als Zweite hinter Gete Wami (Äthiopien) das schnellste Marathondebüt einer deutschen Athletin gelaufen. Mit ihren erstklassigen 2:24:51 Stunden war sie beim Debüt deutlich schneller als zum Beispiel Katrin Dörre und Uta Pippig, die über Jahre hinweg zu den besten Marathonläuferinnen der Welt zählten. In London wird Irina Mikitenko unter anderen auf Weltrekordlerin Paula Radcliffe (Großbritannien/2:15:25) und Gete Wami (Äthiopien/World Marathon Majors-Siegerin 2007) treffen.

Mit ihrem erstklassigen Debüt hat sich Irina Mikitenko bei den anderen Top-Veranstaltungen der World Marathon Majors (WMM), zu denen neben Berlin auch Boston, London, Chicago und New York gehören, ins Gespräch gebracht und nun für den Start in London entschieden. „Mein Ziel in London wird es sein, diese Zeit weiter zu verbessern. Ich kann nicht genau sagen, wie viel schneller ich laufen kann, ich weiß aber, dass ich meine Berliner Zeit unterbieten kann“, sagt Irina Mikitenko, die sich zurzeit noch eine Woche lang in Spanien in einem Trainingslager aufhält. Nach überstandener Mittelohrentzündung, aufgrund derer sie auf den Silvesterlauf in Trier verzichten musste, konnte sie in Spanien bisher gut trainieren.

Nach der Rückkehr aus Spanien wird sie sich zunächst zu Hause in Freigericht auf London vorbereiten, später ist ein Höhentrainingslager geplant. „Es ist gut für mich, gegen so starke Konkurrenz wie sie in London am Start ist zu laufen“, sagt Irina Mikitenko, die auch bei Olympia in Peking Marathon laufen möchte. Sie ist die erste deutsche Läuferin, die in einer WMM-Wertung Punkte gesammelt hat. In der Serie 2007-2008 liegt sie an achter Stelle. Die Siegerin erhält 500.000 Dollar.

Als große Favoritin wird in London Paula Radcliffe an den Start gehen, die dieses Rennen bereits in den Jahren 2002, 2003 und 2005 gewann. Radcliffe könnte die zweite Läuferin nach der Norwegerin Ingrid Kristiansen werden, die den London-Marathon viermal gewinnt. „Ich liebe es, vor heimischem Publikum zu laufen. Und ich weiß, dass mir ein vierter Sieg in London die nötige zusätzliche Motivation für die Olympischen Spiele geben würde. Das Feld in London ist immer hochklassig“, erklärte Paula Radcliffe.

Außerdem bekannt gegeben wurden in London die Verpflichtungen des US-Amerikaners Ryan Hall sowie des Kenianas Sammy Wanjiru.