
Haile Gebrselassie und Gete Wami nehmen nach ihrem Sieg 2006 einen neuen Anlauf in Berlin.
Zum ersten Mal seit fünf Jahren gehen am Sonntag beide Vorjahressieger beim real,- Berlin-Marathon an den Start. Im Jahr 2002 hatte Naoko Takahashi ihren Sieg wiederholt, während der Titelverteidiger Joseph Ngolepus (Kenia) im Männerrennen keine Rolle spielte. Das dürfte dieses Mal sicher nicht passieren, denn der Vorjahressieger heißt Haile Gebrselassie. Sowohl der äthiopische Serienweltrekordler, der in seiner Karriere bisher 23 Weltrekorde aufstellte, als auch seine Landsfrau Gete Wami sind im vergangenen Jahr persönliche Bestzeiten von 2:05:56 beziehungsweise 2:21:34 Stunden gelaufen, die jeweils auch äthiopische Landesrekorde bedeuteten. Beide sind damit jedoch noch nicht zufrieden. Auf der bekannt schnellen Berliner Marathonstrecke wollen sie sich weiter verbessern. 40.215 Läufer aus 115 Nationen sind für das Rennen am Sonntag gemeldet.
Haile Gebrselassie verfolgt seit gut fünf Jahren ein Ziel: er will den Marathon-Weltrekord brechen, den Paul Tergat vor vier Jahren in Berlin auf 2:04:55 Stunden geschraubt hat. Im vergangenen Jahr fehlten ihm dazu 61 Sekunden – in einem direkten Vergleich hätte er rund 350 Meter hinter Paul Tergat das Ziel erreicht. Doch keiner kam seit 2003 so dicht heran wie Haile Gebrselassie.
Aber der Äthiopier, der im vergangenen Jahr gemerkt hat, dass ihm die Strecke und die Atmosphäre in Berlin die beste Möglichkeit bietet, den Weltrekord zu brechen, denkt inzwischen bereits an deutlich schnellere Zeiten. Ein Ergebnis zwischen 2:03 und 2:04 Stunden hält er für möglich. „Man muss sich immer hohe Ziele setzen“, sagt Haile Gebrselassie.
Dabei trifft er in Berlin allerdings auf hochkarätige Konkurrenz. Im Rennen ist zum Beispiel Philip Manyim (Kenia), der den Berlin-Marathon 2005 in 2:07:41 gewann. Für eine Überraschung gut sein könnte vielleicht Bernard Barmasai. Der Kenianer war früher 3.000-m-Hindernisläufer und hielt zeitweise den Weltrekord über diese Strecke. Im Marathon hat er bisher 2:08:50 Stunden erreicht.
Während Haile Gebrselassie den Weltrekord im Visier hat, hat Gete Wami ein anderes Ziel: Sie möchte in der Serie der World Marathon Majors (WMM) die Führung übernehmen. Im vergangenen Jahr hatten sich die bedeutendsten Marathonrennen der Welt – der Boston-Marathon, der Flora London-Marathon, der real,- BERLIN-MARATHON, der LaSalle Bank Chicago-Marathon und der ING New York-Marathon – zu den WMM zusammengeschlossen. In einer zweijährigen Serie können die stärksten Marathonläufer der Welt Punkte sammeln. Der beste Mann und die beste Frau teilen sich am Ende einer Serie einen Jackpot von einer Million US-Dollar. Die erste Serie endet am 4. November beim ING New York City-Marathon. Gewinnt Gete Wami in Berlin würde sie die Führung in der WMM-Serie übernehmen. Wird sie Zweite, würde sie gleichziehen mit der derzeit führenden Jelena Prokopcuka (Lettland). Egal wie es ausgeht – die Äthiopierin plant einen für Topathleten einmaligen Doppelstart: Sie möchte nur fünf Wochen später auch in New York antreten.
Doch auch Gete Wami wird der Sieg nicht einfach fallen. Nachdem sie im vergangenen Jahr eine sechsjährige Siegserie der Japanerinnen in Berlin beendet hatte, will nun eine Japanerin anknüpfen an die Erfolge ihrer Landsfrauen in Berlin: Naoko Sakamoto hat eine Bestzeit von 2:21:51 Stunden und ist damit bisher nur unwesentlich langsamer als Gete Wami. Die Russin Irina Timofeyeva (Bstzeit: 2:25:29) könnte vielleicht ebenso für eine Überraschung sorgen wie eine Debütantin: Irina Mikitenko (TV Wattenscheid) trägt die deutschen Hoffnungen. Die 34-Jährige hat das Potenzial für Erfolge im Marathon. Über Jahre hinweg war sie bei den großen globalen Titelkämpfen die beste deutsche Bahn-Langstreckenläuferin. Jetzt macht Irina Mikitenko den nächsten Schritt in ihrer Karriere in Berlin.
Männer:
| Haile Gebrselassie | ETH | 2:05:56 |
| Driss El Himer | FRA | 2:06:48 |
| Philip Manyim | KEN | 2:07:41 |
| Joseph Kahugu | KEN | 2:07:59 |
| Salim Kipsang | KEN | 2:08:04 |
| Bernard Barmasai | KEN | 2:08:50 |
| Lee Troop | AUS | 2:09:49 |
| Kurao Umeki | JPN | 2:09:52 |
| Satoshi Irifune | JPN | 2:09:58 |
| James Kwambai | KEN | 2:10:20 |
| Asnake Fekadu | ETH | 2:10:27 |
| Moses Arusei | KEN | 2:10:30 |
| Abel Kirui | KEN | 2:10:41 |
| Mesfin Adimasu | ETH | 2:10:45 |
| Mariko Kipchumba | KEN | 2:11:18 |
| Scott Westcott | AUS | 2:11:36 |
| Andrew Letherby | AUS | 2:11:45 |
| Roman Kejzar | SLO | 2:11:50 |
| Gebremdehin Legesse | ETH | 2:12:01 |
Frauen:
| Gete Wami | ETH | 2:21:34 |
| Naoko Sakamoto | JPN | 2:21:51 |
| Irina Timofeyeva | RUS | 2:25:29 |
| Sonja Oberem | GER | 2:26:13 |
| Irina Mikitenko | GER | Debüt |
| Mina Ogawa | JPN | 2:28:47 |
| Ana Dias | POR | 2:28:49 |
| Helena Kirop | KEN | 2:28:51 |
| Sonia O’Sullivan | IRL | 2:29:01 |
| Rose Kerubo Nyangacha | KEN | 2:29:22 |
| Fernanda Ribeiro | POR | 2:29:48 |
| Hayley Haining | GBR | 2:31:51 |
| Teresa Pulido | ESP | 2:31:56 |