Haile Gebrselassie siegt in Dubai, verpasst aber seinen Weltrekord

Klitschnass rennt Haile Gebrselassie in Dubai seinem Weltrekord hinterher. © Standard Chartered Dubai Marathon

Klitschnass rennt Haile Gebrselassie in Dubai seinem Weltrekord hinterher. © Standard Chartered Dubai Marathon

Haile Gebrselassie hat den Dubai-Marathon gewonnen, wurde dabei aber kalt erwischt: Der 35-jährige Äthiopier verpasste sein Ziel, den eigenen Weltrekord von 2:03:59 Stunden weiter zu verbessern, weil ihn sintflutartige Regenfälle kombiniert mit Wind und kühler Witterung stoppten. Trotz der für Dubai ungewöhnlichen Wetterbedingungen erzielte Haile Gebrselassie als überlegener Sieger des Rennens immer noch eine Weltklassezeit von 2:05:29 Stunden. Es ist die achtschnellste Zeit aller Zeiten. Von diesen Top-Acht-Ergebnissen lief Haile Gebrselassie alleine vier. Eine souveräne Siegerin gab es auch im Frauenrennen von Dubai: Die 25-jährige Bezunesh Bekele (Äthiopien) gewann in 2:24:02 Stunden. Beide Sieger kassierten jeweils eine Prämie von 250.000 Dollar. Es ist das höchste Sieggeld, das es bei einem Marathon zu verdienen gibt.

„Das ist die beste Leistung, die ich je bei einem derartigen Wetter erreicht habe”, erklärte Haile Gebrselassie, der Regen aufgrund des rutschigen Straßenpflasters fürchtet. Beim London-Marathon 2006 wurde er bei derartigen Bedingungen lediglich Neunter. „Im Regen kann ich nicht perfekt laufen. Es ist nicht das Problem, dass ich nass werde, sondern dass es rutschig wird.” Aufgrund seines Laufstils kann es dann zu Balanceschwierigkeiten kommen.

Bei ungewöhnlich kühlen Temperaturen von etwa 12 Grad Celsius während des gesamten Rennens gab es den ersten Regenschauer bereits nach fünf Kilometern. Dieser warf Gebrselassie aber noch nicht aus dem Weltrekord-Fahrplan. Und im Gegensatz zum Vorjahr, als er sein Weltrekord-Ziel in Dubai aufgrund eines zu hohen Anfangstempos zunichte gemacht hatte, lief der Äthiopier dieses Mal das richtige Tempo. Geführt von Pacemakern erreichte Haile Gebrselassie die Halbmarathonmarke in 61:45 Minuten. Damit war er genau 19 Sekunden schneller als bei seinem Weltrekord Ende September in Berlin.

Doch schon kurz nach der Wende im Bereich der Streckenhälfte merkte Haile Gebrselassie, dass es schwierig wird mit dem Weltrekord. „Die Tempomacher waren perfekt, aber nach der Wende spürte ich, dass wir nun gegen den Wind rennen und wusste, dass es wahrscheinlich nicht reichen wird zum Rekord. Dann sah ich die schwarze Wolkenfront”, erklärte Haile Gebrselassie, der in seiner einmaligen Karriere bisher 19 offizielle und sieben inoffizielle Weltrekorde aufgestellt hat.

Bei Kilometer 30 lag Haile Gebrselassie immer noch gut im Rennen bezüglich des Weltrekordes. Er war rund eine halbe Minute schneller als in Berlin. Doch nachdem bei 32 km der letzte Tempomacher ausgestiegen war und es extrem stark zu regnen begann, wurde Gebrselassie deutlich langsamer. Er lief die Kilometerabschnitte nun in über 3:00 Minuten und verlor auf den letzten 10 km zu viel Zeit. „Als ich morgens wusste, dass es regnen würde, dachte ich mir schon, dass es schwer wird mit dem Rekord. Denn ich würde im Regen zu viel Kraft verlieren – genau das ist passiert.”

Mit großem Vorsprung erreichte Haile Gebrselassie vor vier Landsleuten das Ziel in Dubai: Deressa Edae Chimsa wurde Zweiter mit 2:07:54 Stunden, gefolgt von Eshetu Wendimu (2:08:41), Gashaw Melese (2:10:59) und Dereje Tesfaye (2:11:42).

Eine äthiopische Angelegenheit war auch das Frauenrennen, in dem Vorjahressiegerin Berhane Adere allerdings einmal mehr keine überzeugende Marathon-Leistung zeigte. Die frühere Weltklasseläuferin wurde am Ende nur Siebente in 2:27:47 Stunden, obwohl sie ein Ergebnis unter 2:20 angepeilt hatte. Der Regen war natürlich auch für die Frauen hinderlich. Doch Bezunesh Bekele, die nicht verwandt ist mit Weltrekordler Kenenisa Bekele, erzielte mit 2:24:02 Stunden trotzdem eine flotte Zeit. An der 30-km-Marke hatte sie sich gemeinsam mit der später drittplatzierten Helena Kiprop (Kenia/2:25:35) aus der Spitzengruppe abgesetzt. Zwei Kilometer später löste sich Bekele auch von der Kenianerin. Noch auf Rang zwei schob sich in der Schlussphase des Rennens Atsede Habtamu (Äthiopien) mit 2:25:17 Stunden. Vierte wurde die Russin Tatyana Petrova in 2:25:53.

Gebrselassie will auf WM-Start in Berlin verzichten

Haile Gebrselassie wird aller Voraussicht nach doch nicht bei den Weltmeisterschaften im August an den Start gehen. „Ich glaube nicht, dass ich bei der WM in Berlin an den Start gehe”, erklärte Haile Gebrselassie in Rundfunkinterviews mit der BBC und Voice of America nach seinem Sieg in Dubai. Erst Ende September hatte der 35-Jährige nach seinem Weltrekord in Berlin erklärt: „Berlin ist für mich eine Glücksstadt. Manchmal ist das so, dass man in einer bestimmten Stadt immer besonders erfolgreich ist. Hier war ich schon als Junior in der Marathon-Staffel sehr stark, die wir als äthiopisches Team gewonnen haben. Dann hatte ich auf der Bahn beim ISTAF Erfolg und nun beim Berlin-Marathon. Berlin ist für mich wie ein Heimspiel. Deswegen will ich auch bei den Weltmeisterschaften hier laufen.”

Doch inzwischen hat Haile Gebrselassie seine Pläne geändert. In den letzten Jahren seiner außerordentlichen Karriere hat für ihn die maximale Verbesserung seines eigenen Marathon-Weltrekordes gegenüber dem Medaillenkampf bei großen Meisterschaften eindeutig Priorität. Derartige Zeiten sind aber nur in einem City-Marathon mit Tempomachern erreichbar. 2008 verzichtete der Äthiopier sogar auf den olympischen Marathon, um stattdessen in Berlin in einem auf ihn zugeschnittenen Lauf erfolgreich den Weltrekord anzugreifen.

Gebrselassie fürchtet, dass die stärksten Kenianer um Olympiasieger Sammy Wanjiru den prestigeträchtigen Marathon-Weltrekord brechen könnten und will ihn deswegen weiter verbessern. „Nach wie vor geht es mir um die Zeit. Vielleicht kann ich nicht unter 2:03 Stunden laufen, aber ich weiß, dass ich den Weltrekord zumindest noch auf 2:03:20 bis 2:03:30 verbessern kann”, erklärte Haile Gebrselassie. „Bei Weltmeisterschaften bin ich schon so oft gestartet”, fügte der viermalige Weltmeister über 10.000 Meter hinzu. „Deswegen denke ich nicht mehr an die WM. Aber ich werde trotzdem nach Berlin zurückkehren: zum Berlin-Marathon.”

Rennen der Rekorde in Houston

Deriba Merga triumphiert in Houston und produziert den ersten Männer-Streckenrekord seit 1989. © www.photorun.net

Deriba Merga triumphiert in Houston und produziert den ersten Männer-Streckenrekord seit 1989. © www.photorun.net

Zu einem Rennen der Rekorde wurde die 37. Auflage des Houston-Marathons am Sonntag. Dem Äthiopier Deriba Merga gelang es nach einem eindrucksvollen Solorennen, den 20 Jahre alten Streckenrekord deutlich zu verbessern. Mit 2:07:52 Stunden machte der Houston-Marathon qualitativ einen großen Sprung nach vorne. Es war die erste Zeit unter 2:10 Stunden in der langen Geschichte des Laufes. Einen Kursrekord gab es auch bei den Frauen: Hier gewann Mergas Landsfrau Teyba Erkesso mit flotten 2:24:18 Stunden. Bei guten Wetterbedingungen gab es schließlich auch noch einen Teilnehmerrekord: Rund 23.000 Läufer waren bei dem Rennen über 42,195 km sowie über kürzere Distanzen am Start.

Mit dem 28-jährigen Deriba Merga setzte sich in Houston der große Favorit durch. Der Olympia-Vierte von Peking, der zuvor beim London-Marathon 2008 seine Bestzeit auf 2:06:38 Stunden verbessert hatte, sorgte von Beginn an für ein hohes Tempo. Zeitweilig mit Hilfe von Pacemakern laufend, erreichte er die Halbmarathonmarke in 1:02:44 Stunden. Damit war er auf Kurs zu seiner Traumzeit. Mergas eigentliches Ziel war es, die schnellste je in den USA erzielte Zeit von 2:05:42 Stunden zu unterbieten. Khalid Khannouchi (USA) hatte damit 1999 den Chicago-Marathon gewonnen. Doch alleine laufend, wurde es dann schwer für Deriba Merga. „Ich habe wirklich versucht, diesen Rekord zu brechen. Aber es war zeitweilig etwas windig und dann wurde es alleine schwierig. Nächstes Jahr mache ich es besser”, erklärte Deriba Merga, der am Ende über einen Kilometer Vorsprung vor dem zweitplatzierten Benson Cheruiyot (Kenia/2:11:33) hatte. Dritter wurde der Russe Yuriy Abramov mit 2:12:21. Der 20 Jahre alte Kursrekord von Richard Kaitany (Kenia) stand bei 2:10:04 Stunden.

Ebenso wie Deriba Merga erhielt auch Frauen-Siegerin Teyba Erkesso neben der Siegprämie von 35.000 Dollar weitere 10.000 für den Kursrekord. In ihrem Debüt gewann die Äthiopierin in 2:24:18 und verbesserte damit die Streckenbestzeit ihrer Landsfrau Dire Tune um 22 Sekunden. Tune hatte nach ihrem Sieg vor einem Jahr auch den Boston-Marathon im April gewonnen. Begleitet von einem Tempomacher lief Teyba Erkesso in Houston ihr eigenes Rennen und erreichte die Halbmarathonmarke in Führung liegend in 1:12:23 Stunden. Auf dem zweiten Abschnitt konnte sie sogar noch etwas zulegen. Zweite wurde die Rumänin Nuta Olaru in 2:27:25, Rang drei belegte Lioudmila Kortchaguina (Kanada/2:30:43).

Den parallel stattfindenden Halbmarathon, in den die US-Meisterschaften integriert waren, gewann Meb Keflezighi. Der 33-Jährige meldete sich damit nach einer langen Verletzungspause erfolgreich zurück. Der US-Amerikaner kontrollierte das Rennen von Beginn an und erreichte schließlich nach 61:25 Minuten mit zehn Sekunden Vorsprung vor Dathan Ritzenhein das Ziel. Dritter wurde Brett Gotcher (62:09). „Es war ein hochkarätiges Meisterschaftsrennen. Für mich ist das ein toller Start in das neue Jahr, nachdem ich 2008 verletzt war. Ich hoffe, 2009 wird ein besseres Jahr für mich”, erklärte Meb Keflezighi, der 2004 in Athen Olympia-Zweiter im Marathon war. Bei den Frauen setzte sich in Houston Magdalena Boulet (USA) in 71:47 Minuten vor ihren Landsfrauen Kelly Jaske (72:06) und Colleen de Reuck (72:16) durch.

Zum Tod von René Herms

René Herms. © www.photorun.net

René Herms. © www.photorun.net

Als 20-Jähriger schien der 800-m-Läufer René Herms auf dem Weg zu ganz großen Erfolgen zu sein. Damals schlug er bei den Deutschen Meisterschaften 2002 überraschend den Olympiasieger und Europameister Nils Schumann. Sechseinhalb Jahre später lebt René Herms nicht mehr. Sein Tod hinterlässt Fassungslosigkeit in der deutschen Leichtathletik.

Der 26-jährige René Herms starb am 9. Januar in seiner Wohnung in Lohmen nahe Pirna. Seine in Hannover arbeitende Frau hatte ihre Mutter am Samstag gebeten, nach ihrem Mann zu schauen, weil René Herms telefonisch nicht mehr erreichbar war. Die Schwiegermutter fand den Läufer am selben Tag. Der Grund für den Tod ist nicht bekannt. Mit einer Autopsie soll die Ursache herausgefunden werden. Hinweise für einen Mord oder Suizid hat die ermittelnde Polizei nicht.

Vertreter der LG Braunschweig – für diesen Klub startete René Herms in den letzten Jahren – gaben in einer Erklärung den Tod bekannt und verwiesen dabei darauf, dass dieser eventuell mit einem Herzmuskelproblem infolge eines Infektes zusammenhängen könne. Doch das ist reine Spekulation zum derzeitigen Zeitpunkt. „Derartige Spekulationen sind unverantwortlich”, zitiert die Sächsische Zeitung einen erbosten Klaus Müller. Er war der Trainer, der René Herms zu seinen größten Erfolgen geführt hatte. „Was passiert ist, ist furchtbar”, sagte Klaus Müller, während die Zeitung auch den Coach zitiert, der Herms seit gut zwei Jahren betreute: „Es ist unglaublich. Ich habe keine Erklärung, es gab keinerlei Anzeichen für eine solche Tragödie”, sagte Dietmar Jarosch.

Der Aufstieg von René Herms hatte 2001 begonnen. Damals wurde er Junioren-Europameister über 800 m und zum ersten Mal Deutscher Meister. Zwölfmal gewann der lange Zeit für die LG Asics Pirna startende Mittelstreckler insgesamt den deutschen 800-m-Titel, zuletzt 2007. 2002 war er bei der EM in München Siebenter, ein Jahr später siegte er bei den Europameisterschaften der unter 23-Jährigen. 2004 qualifizierte sich René Herms zum ersten und einzigen Mal für die Olympischen Spiele. In Athen kam er dabei bis ins Halbfinale. Die Semi-Finalläufe erreichte er auch bei den Weltmeisterschaften 2003 in Paris und 2005 in Helsinki. Beim Europa-Cup lief er zweimal auf einen Podestplatz, ebenfalls beim Hallen-Europa-Cup. 2004 stellte René Herms in München seine persönliche Bestzeit von 1:44,14 Minuten auf. Damit ist er der fünftschnellste deutsche 800-m-Läufer aller Zeiten und steht in dieser Liste sogar einen Platz vor Nils Schumann.

Nach dem enttäuschenden Vorlauf-Aus bei der EM 2006 hatte sich René Herms von Trainer Klaus Müller getrennt und arbeitete seitdem mit Dietmar Jarosch. Bei Trainingslagern allerdings gab es zuletzt auch wieder eine Zusammenarbeit mit Klaus Müller, bei dem er noch kurze Zeit vor seinem Tod wegen eines Laktattests war. Dabei sollen gute Werte herausgekommen sein. Obwohl René Herms im vergangenen Jahr die B-Kader-Zugehörigkeit verloren hatte, glaubte er an seine Chance, noch einmal an seine besten Zeiten anknüpfen zu können. Die WM in Berlin war sein großes Ziel.

Nach dem Infekt zwischen den Feiertagen hatte René Herms das Training wieder aufgenommen. Noch wenige Stunden vor seinem Tod trainierte er. „Am Freitag haben wir uns nach dem Training verabschiedet. Alles war so wie immer, es gab keine Anzeichen eines Problems”, erklärte die zur Trainingsgruppe gehörende 400- und 400-m-Hürden-Läuferin Claudia Marx in der Sächsischen Zeitung. René habe, so Claudia Marx, große Pläne gehabt in diesem Jahr mit der WM in Berlin. Und er sei auf einem guten Weg gewesen. Als die Trainingsgruppe am Samstag zum verabredeten Hallentraining nach Chemnitz fuhr, war René Herms nicht erschienen. Da lebte der Läufer nicht mehr.