Gilbert Yegon bricht in Amsterdam Haile Gebrselassies Kursrekord

Gilbert Yegon gewinnt bei seinem Debüt den Amsterdam-Marathon in Kursrekordzeit. © Tom Metiary/Amsterdam-Marathon

Gilbert Yegon gewinnt bei seinem Debüt den Amsterdam-Marathon in Kursrekordzeit. © Tom Metiary/Amsterdam-Marathon

Die Marathon-Erfolgsserie kenianischer Läufer erlebte beim Amsterdam-Marathon am Sonntag einen weiteren Höhepunkt. Eine Woche nach dem Chicago-Sieg von Olympiasieger Sammy Wanjiru in 2:05:41 Stunden und dem Coup von Geoffrey Mutai beim Eindhoven-Marathon (2:07:01) gewann ein kenianischer Debütant das Herbstrennen in Holland über die klassische Distanz: Der 21-jährige Gilbert Yegon triumphierte mit einem Streckenrekord von 2:06:18. Schnellste Frau war in Amsterdam die Äthiopierin Eyerusalem Kuma, die nach 2:27:43 im Ziel war. Rund 9.000 Marathonläufer gingen an den Start, etwa 17.000 weitere Athleten rannten über kürzere Distanzen.

Nun darf man gespannt sein, was die Kenianer beim nächsten großen Herbstmarathon am kommenden Sonntag in Frankfurt laufen werden. Denn die Sieger aus Eindhoven und Amsterdam kommen beide aus dem Management-Team von Gerard van de Veen. Der Holländer schickt am Main einige seiner besten Athleten ins Rennen, darunter Jason Mbote und Gilbert Kirwa.

So wie Geoffrey Mutai in Eindhoven lief auch Gilbert Yegon in Amsterdam einen ganz starken letzten Abschnitt über die 42,195 Kilometer. Nachdem die Spitzengruppe die Halbmarathonmarke in 62:57 Minuten passiert hatte, waren 30 km nach sehr schnellen 1:29:38 Stunden gelaufen. Danach fiel die Gruppe langsam auseinander und bei 35 km (1:44:22) waren noch vier Athleten im Rennen: Neben Gilbert Yegon waren dies Elijah Keitany, Paul Biwott und Nicolas Chelimo (alle Kenia). Kurz danach allerdings fiel die Entscheidung, als Yegon das Tempo verschärfte und schnell einen deutlichen Vorsprung herauslief. In 14:48 Minuten lief er den Abschnitt zwischen 35 und 40 km. Bei sehr guten Wetterbedingungen verpasste der Youngster am Ende eine noch schnellere Zeit, weil er unter einem Krampf im Oberschenkel litt. „Ohne dieses Problem hätte ich vermutlich eine Zeit von unter 2:06 Stunden erreichen können”, erklärte Gilbert Yegon, der den größten Triumph seiner noch jungen Karriere feierte und den vier Jahre alten Kursrekord von Weltrekordler Haile Gebrselassie um zwei Sekunden verbesserte. Der Äthiopier hatte das Rennen 2005 bei einem gescheiterten Weltrekordversuch in 2:06:20 Stunden gewonnen.

Auch die hinter Gilbert Yegon ins Ziel kommenden Läufer erreichten sehr gute Ergebnisse. Elijah Keitany, ein weiterer Debütant, wurde in 2:06:41 Zweiter, Rang drei belegte Paul Biwott mit 2:07:02. Teferi Wodajo (Äthiopien/2:07:45) und Nicholas Chelimo (Kenia/2:07:46) blieben ebenfalls noch unter 2:08 Stunden. Insgesamt acht Läufer erreichten Zeiten von unter 2:10 Stunden auf der bekannt schnellen Strecke.

Vergleichsweise nicht so stark besetzt war die Konkurrenz der Frauen. Hier hatte sich eine dreiköpfige Spitzengruppe mit den Äthiopierinnen Eyerusalem Kuma, Woinshet Girma und Etalemahu Kidane gebildet. Auch bei den Frauen fiel die Entscheidung in etwa bei Kilometer 35. Hier setzte sich Kuma ab und lief in 2:27:43 Stunden zu einem souveränen Sieg vor Girma (2:29:50). Auf Rang drei schob sich in der Schlussphase des Rennens die Holländerin Hilda Kibet (2:30:33). Vierte wurde bei ihrem Debüt Kidane in 2:31:11.

Weltmeisterin Xue Bai gewinnt HYX Peking-Marathon

Weltmeisterin Xue Bai siegt beim Peking-Marathon. © www.photorun.net

Weltmeisterin Xue Bai siegt beim Peking-Marathon. © www.photorun.net

Innerhalb von zwei Monaten ist die Chinesin Xue Bai zu einem zweiten großen Marathonsieg gelaufen. Die erst 20-Jährige gewann am Sonntag das Rennen in Peking, das vom internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) als ,Gold Label Race’ klassifiziert worden ist und somit zur höchsten Kategorie der Straßenrennen zählt. Die Weltmeisterin von Berlin war in ihrer Heimat allerdings deutlich langsamer als bei ihrem Lauf zur Goldmedaille. Sicherlich aufgrund des kurzen Zeitabstandes noch nicht wieder in Topform lief Xue Bai 2:34:44 Stunden. Bei kühlen aber zeitweise windigen Wetterbedingungen gewann Samuel Mugo (Kenia) das Männerrennen in guten 2:08:20 Stunden.

Das Männerrennen war lange Zeit sehr viel schneller als es die Siegzeit vermuten lässt. Mit einem Kilometerschnitt von meist genau drei Minuten führte Tempomacher Nicholas Manza (Kenia) die Spitzengruppe an. Nach 30 Minuten waren 10 km gelaufen, in genau 1:30 Stunden hatte Manza die 30-km-Marke erreicht. Zu diesem Zeitpunkt folgten ihm noch drei Athleten: Samuel Mugo, Rachid Kisri (Marokko) und Benson Barus (Kenia). Der Marokkaner war der erste, der vor der 35-km-Marke zurückfiel. Die Entscheidung fiel dann nach 38 km, als Samuel Mugo sich von seinen Landsleuten lösen konnte. Tempomacher Nicholas Manza hatte entschieden, im Rennen zu bleiben und belegte einen starken zweiten Platz in 2:08:42. Er war damit neun Sekunden schneller als Barus, Kisri lief auf Rang vier mit 2:09:36.

Bei den Frauen lief Xue Bai mit einer ähnlichen Taktik wie beim WM-Triumph in Berlin zum Sieg. Lange Zeit hielt sich die junge Chinesin zurück, doch auf den letzten Kilometern setzte sie erfolgreich auf ihre Grundschnelligkeit und zog davon. „Ich weiß, dass ich auf den letzten Kilometern schnell bin”, erklärte Xue Bai gegenüber dem Korrespondenten der IAAF-Internetseite (iaaf.org). In Berlin war Xue Bai 2:25:15 Stunden gelaufen, in Peking reichten ihr 2:34:44. Auch die nächsten Plätze gingen an Chinesinnen: Zhang Xin wurde in 2:34:49 Zweite, Zhu Xiaoling folgte mit 2:34:55 auf Rang drei.

Erstaunlich stark besetzter Frankfurt-Marathon

Wenn am kommenden Sonntag die 28. Auflage des Commerzbank Frankfurt-Marathons stattfindet, werden gleich 15 Läufer mit Bestzeiten von unter 2:09 Stunden ins Rennen gehen. Das ist einmalig bei einem deutschen City-Marathon. Damit setzt das Rennen am Main seine starke Entwicklung der letzten Jahre fort und dürfte sich nun als klare Nummer zwei nach dem Berlin-Marathon in Deutschland etablieren. Auch das Frauenfeld ist so stark wie nie zuvor am Main. Hinzu kommt, dass sich immer mehr Breitensportler für Frankfurt entscheiden: Die Veranstalter, die bis einschließlich Samstag noch Nachmeldungen annehmen, rechnen mit einer Rekordzahl von knapp 13.000 Marathonläufern.

Passen Wetter und Tempomacher, könnte es in Frankfurt einige Topzeiten geben. „Wenn das Wetter mitspielt, hoffen wir auf einen neuen Streckenrekord”, sagt der Sportliche Leiter Christoph Kopp, der sich mit dieser Aussage eher noch zurückhält. Den Kursrekord hält der Vorjahressieger Robert Kiprono Cheruiyot (Kenia) mit 2:07:21 Stunden. In Anbetracht des Feldes erscheinen Zeiten um 2:06 nicht ausgeschlossen.

Der 21-jährige Cheruiyot trifft unter anderen auf seine Landsleute Benjamin Kiptoo, den Rom-Sieger 2009 (Bestzeit 2:07:17), Hosea Rotich (2:07:24) und Jason Mbote (2:07:37). Mit Yared Asmeron (Bestzeit 2:08:34) ist jener Läufer aus Eritrea am Start, der 2007 WM-Vierter war und 2008 Olympia-Achter. Chancenreich sind außerdem der aktuelle Wien-Sieger Gilbert Kirwa, der bei seinem Debüt im April 2:08:21 lief, der Zweitplatzierte des Vorjahres, Wilson Kigen (2:08:16) und KIMbia’s Laban Kipkemboi (alle Kenia/2:08:38). Unter mehreren Debütanten ist auch John Kiprotich (Kenia), der im September beim Rotterdam-Halbmarathon als Sechster eine Weltklassezeit von 59:23 Minuten lief. Die europäischen Hoffnungen trägt Günther Weidlinger (Österreich), der im April in Wien sein Marathondebüt in 2:12:39 Stunden lief.

Auch bei den Frauen gibt es ein Dutzend Läuferinnen mit Bestzeiten von unter 2:30 Stunden. Mit sehr guten Chancen gehen die beiden Kenianerinnen Rose Cheruiyot (Bestzeit: 2:25:48) und Agnes Kiprop, die im Frühjahr in Turin mit 2:26:22 gewann, an den Start. Irene Limika (2:28:31) und Ruth Wanjiru (2:27:38) sind weitere starke Läuferinnen aus Kenia, während aus Äthiopien mit Firehiowot Dado (2:27:08) die aktuelle Rom-Marathon-Siegerin sowie die Fünftplatzierte des Tokio-Marathons, Shitaye Debelu (2:26:10) dabei sind. Die schnellste Läuferin im Feld ist noch eine andere: Atsede Baysa lief bei ihrem Sieg in Paris im April 2:24:42. Doch hinter der Form der Äthiopierin steht wohl ein Fragezeichen, denn das Rennen in Frankfurt wird bereits ihr vierter Marathon in diesem Jahr sein. Den letzten Marathon ihrer leistungssportlichen Karriere wird in Frankfurt Luminita Zaituc (LG Braunschweig) laufen.