
Gilbert Kirwa gewinnt den Wien-Marathon. © www.photorun.net
Das durchaus mit einem gewissen Risiko belastete Experiment, ausschließlich mit Debütanten besetzte Elitefelder beim Wien-Marathon ins Rennen zu schicken, hatte einen überraschenden Erfolg: Das Männerrennen produzierte das gemessen an der Breite in der Spitze höchstklassige Resultat in der Geschichte des Laufes. Denn gleich sechs Läufer blieben unter 2:11 Stunden und vier von ihnen unter 2:10. Der Sieger Gilbert Kirwa (Kenia) erzielte bei warmem Wetter mit am Ende rund 20° Celsius in der Sonne gute 2:08:21 Stunden. Das ist die drittschnellste Zeit in der Historie des Wien-Marathons.
Bei den Frauen feierten rund 350.000 Zuschauer einen Heimsieg: Die in Wien wohnende Andrea Mayr gewann das Rennen trotz eines Fußproblems. Sie ist die erste österreichische Siegerin seit 1987 und erst die zweite überhaupt beim Wien-Marathon. Doch damit nicht genug: In ihrem Debütrennen brach sie auch noch den nationalen Rekord. Die 29-Jährige war nach 2:30:43 Stunden im Ziel. Kürzere Läufe hinzugerechnet, hatten sich 29.054 Athleten aus 100 Nationen für den Wien-Marathon angemeldet. Etwas mehr waren es nur im vergangenen Jahr bei der 25. Jubiläumsauflage.
„Ich bin froh über diesen Sieg und die Zeit. Die Zuschauer haben mir sehr geholfen”, sagte der 23-jährige Gilbert Kirwa, der von Beginn an in der großen Spitzengruppe lief. Die Halbmarathonmarke war nach 64:17 Minuten erreicht. Das war zwar etwas langsamer als geplant, jedoch wurde das Tempo bald darauf verschärft. Das wiederum hatte zur Folge, dass einer nach dem anderen aus der Spitzengruppe herausfiel. Darunter war auch der prominenteste Läufer im Feld: Reuben Kosgei, Kenias Hindernis-Olympiasieger von 2000, stieg später sogar aus.
Nach der 30-Kilometer-Marke (1:30:40) entwickelte sich ein Duell zwischen Gilbert Kirwa und Degefa Abebe Negewo (Äthiopien), während Joseph Maregu (Kenia) nur ein paar Meter hinter den beiden rannte. Nach rund 36 km startete Gilbert Kirwa dann seinen entscheidenden Vorstoß und sein Vorsprung wuchs fortan zunehmend. Seine Zielzeit von 2:08:21 war dann schließlich das drittbeste je in Wien gelaufene Ergebnis. Schneller waren lediglich Vorjahressieger Abel Kirui (Kenia/2:07:38) und 2006 der Marokkaner Lahoucine Mrikik (2:08:20).
Gilbert Kirwa hatte an der Wiener Hofburg einen deutlichen Vorsprung vor Dereje Debele Tulu (Äthiopien/2:09:08), seinem Trainingspartner Joseph Maregu (Kenia/2:09:25) und Degefa Abebe Negewo (Äthiopien/2:09:52). „Nach diesem Debüt möchte ich in der Zukunft im Marathon 2:04 Stunden laufen”, sagte Gilbert Kirwa, der erst das zweite Mal überhaupt außerhalb von Kenia ein Rennen bestritt. In Kenia trainiert er nicht nur mit Joseph Maregu, sondern auch mit dem Weltklasse-Marathonläufer Jason Mbote (Kenia/2:07:37). Beide leben in Embu, rund zwei Autostunden von Nairobi entfernt. „Gilbert trainiert seit eineinhalb Jahren mit Jason. Und es war Jason, der mich bat, ihn als Tempomacher beim Seoul-Marathon unterzubringen”, erzählt Gerard van de Veen, der Manager der beiden. Kirwa lief dann vor rund einem Jahr in Seoul bis zur 33-km-Marke in einem 2:07-Tempo. Mbote wurde damals mit Bestzeit Zweiter. „Ursprünglich wollte Gilbert in diesem Frühjahr noch gar nicht Marathon laufen, aber dann änderte er seine Meinung und bat mich, ein entsprechendes Rennen zu finden”, sagt Gerard van de Veen.
Ein ordentliches Debüt lief in Wien auch der frühere Hindernisläufer Günther Weidlinger. Am Ende erreichte der Österreicher allerdings nicht ganz sein Ziel, denn er verpasste den nationalen Rekord um 17 Sekunden. Als Neunter war er nach 2:12:39 im Ziel. „Ich lag lange Zeit gut im Rennen für den Rekord, aber die letzten zwei Kilometer waren der Horror. Ich konnte kaum noch rennen. Platz neun ist in Ordnung, aber ich bin enttäuscht, dass ich die Bestmarke verpasst habe”, sagte Günther Weidlinger, fügte aber hinzu: „Ich freue mich auf meine nächsten Marathonrennen.”

Andrea Mayr feiert ein tolles Marathon-Debüt in Wien. © www.photorun.net
Ein perfektes Debüt gelang der Berglauf-Spezialistin Andrea Mayr. Mit 2:30:43 Stunden war die 29-Jährige deutlich vor den Äthiopierinnen Derbe-Godana Gebissa (2:31:31), Hayato-Zeineba Hasso (2:34:01) und Tiruwork Mekonnen (2:34:07) im Ziel an der Hofburg. Mit ihrer Siegzeit war Andrea Mayr acht Sekunden schneller als Eva-Maria Gradwohl bei ihrem österreichischen Rekord in Linz 2008. Und Mayr wurde am Sonntag erst zur zweiten nationalen Siegerin in der Geschichte des Wien-Marathons. Zuvor hatte 1987 Carina Lilge-Leutner gewonnen.
Andrea Mayr hatte überraschend bereits frühzeitig das Rennen kontrolliert. Ursprünglich wollte Tiruwork Mekonnen ein 2:25-Tempo angehen, doch bald nach dem Start sortierte sie sich hinter Andrea Mayr ein. Die zweifache Siegerin der World Mountain Running Trophy, die auch die nationalen Rekorde über 3.000-Meter Hindernis und im Halbmarathon hält, erlief schnell eine deutliche Führung. An der Halbmarathonmarke (1:14:47 Stunden) betrug der Vorsprung bereits über eine Minute auf die drei Äthiopierinnen, nach 30 km waren es über 90 Sekunden. Im letzten Abschnitt wurde Andrea Mayr, die vor gut fünf Wochen einen Ermüdungsbruch erlitten hatte und zudem unter Achillessehnenproblemen litt, zwar langsamer, aber es reichte gerade noch zum Sieg in Rekordzeit. „Als ich drei Kilometer vor dem Ziel auf die Uhr blickte, dachte ich: Schade, das wird nichts mit dem Rekord. Dann schaute ich noch einmal bei 42 Kilometer auf meine Stoppuhr und hatte noch 50 Sekunden Zeit – da dachte ich, das musst du schaffen.”
Ein Schüler von Tergat siegt in Belgrad
Paul Tergat war zwar nicht beim Belgrad-Marathon am Start, aber er hatte den richtigen Tipp: Kenias Läuferstar hatte auf den Debütanten Victor Kigen gesetzt, der das Rennen prompt gewann. Der Kenianer siegte am Samstag in 2:13:28 Stunden. „Paul hat mich gut vorbereitet, daher ist es keine Überraschung, dass ich hier gewonnen habe”, erklärte Victor Kigen, der in den letzten fünf Monaten in der Gruppe von Paul Tergat trainiert hatte. Der ehemalige Marathon-Weltrekordler Tergat wird selbst am 10. Mai sein nächstes Rennen laufen: die 25 km in Berlin.
Bei warmem Wetter mit Temperaturen von rund 20 Grad Celsius war das Tempo von Beginn an moderat. Auf den letzten zehn Kilometern forcierte der 25-jährige Victor Kigen dann die Pace und löste sich von den restlichen Konkurrenten. Im Schlussteil erlief er dabei noch einen Vorsprung von knapp einer Minute. Zweiter wurde Sylvester Cheboi in 2:14:25 Stunden, Rang drei belegte Julius Korir (beide Kenia) mit 2:14:28. „Ich habe mich gut gefühlt, als ich das Tempo erhöhte und dachte mir, dass die anderen wohl kaum noch einmal herankommen würden”, erklärte Victor Kigen.
Deutlich knapper fiel die Entscheidung um den Sieg bei den Frauen aus. Hier setzte sich Anne Kosgei (Kenia) in 2:34:51 Stunden mit einem Vorsprung von nur acht Sekunden vor Rasa Drazdauskaite (Litauen) durch. Die drittplatzierte Spanierin Maria Ruiz lief mit großem Rückstand nach 2:49:32 ins Ziel.
Doppelsieg für Kenia in Turin
Einen kenianischen Doppelsieg gab es beim Turin-Marathon. Bei kühlem und regnerischem Wetter siegte Benson Barus in 2:09:07 Stunden. Der Kenianer hatte nach einer Halbmarathonzeit von 64:40 Minuten bei 25 km das Tempo forciert und sich dann an der 30-km-Marke von seinen verbliebenen Konkurrenten Paul Samoei (Kenia) und Ruggero Pertile gelöst. Der Italiener sicherte sich später Platz zwei in 2:09:53. Samoei wurde Dritter mit 2:11:37. „Ich wollte 2:08 laufen, aber das war bei diesem Wetter nicht möglich”, sagte Benson Barus.
Im Frauenrennen hatte Agnes Kiprop frühzeitig die Führung übernommen und ihren Vorsprung stetig vergrößert. Die Kenianerin siegte schließlich in flotten 2:26:22 Stunden vor Tirfi Beyene (Äthiopien/2:29:04) und Bruna Genovese (Italien/2:30:51).
Ein weiterer bedeutender Marathon fand am vergangenen Wochenende in Nagano (Japan) statt. Hier gewann der Kenianer Isaac Macharia in 2:11:21 Stunden vor dem Äthiopier Girma Tolla (2:12:11) und Simon Wangai (Kenia/2:12:34). Schnellste Frau war hier die Russin Irina Timofeyeva mit 2.30:08. Sie gewann vor Irene Limika (Kenia/2:30:50) und Akemi Ozaki (Japan/2:31:18).