
Meseret Defar siegt in Berlin. © Photo Run
Beim finalen IAAF Golden-League-Meeting in Berlin hätte die 20-jährige Tirunesh Dibaba (Äthiopien) zur jüngsten Athletin werden können, die in der Geschichte dieser Serie den großen Jackpot knackt. Doch nachdem sie zuvor in Oslo, Paris, Rom, Zürich und Brüssel in teilweise souveräner Manier gewonnen hatte, ging ihr auf der Zielgeraden des 5.000-Meter-Laufes beim ISTAF im Berliner Olympiastadion die Puste aus. Sonst im Endspurt fast nicht zu schlagen, kam sie dieses Mal einfach nicht an ihrer Landsfrau Meseret Defar vorbei. Defar gewann in 15:02,51 Minuten knapp vor Dibaba (15:02,87). Damit hat eine Äthiopierin ihrer Landsfrau den großen Jackpot-Sieg vermasselt. 125.000 Dollar hätte Tirunesh Dibaba bekommen, wenn sie auch noch in Berlin gewonnen hätte.
Das 5.000-m-Rennen der Frauen war eine rein äthiopische Angelegenheit. Rang drei sicherte sich Meselech Melkamu in 15:05,82.
Bei den Männern schaffte ebenfalls ein 5.000-m-Läufer den fünften Sieg beim ISTAF und sicherte sich damit auch seinen Anteil am kleinen Jackpot. Bei Kenenisa Bekele war es genau umgekehrt wie bei Tirunesh Dibaba. Er hatte beim ersten Golden-League-Meeting in Oslo verloren und dann immer gewonnen. In Berlin siegte der Äthiopier einmal mehr souverän. Mit 12:57,74 Minuten blieb er als einziger unter 13 Minuten. Auch hier belegten Landsleute die nächsten Plätze: Sein Bruder Tariku Bekele wurde Zweiter in 13:04,83 während Abreham Cherkos Feleke Rang drei mit 13:05,40 belegte.
Auf der Straße wurde in Virginia Beach der Rock ‘n’ Roll-Halbmarathon gestartet. Bei warmer und schwüler Witterung dominierten die Kenianer das Rennen über die 21,0975 Kilometer. James Kwambai siegte schließlich in 63:30 Minuten vor Evans Cheruiyot (63:49) und Yusuf Songoka (63:49). Bei den Frauen gewann Edna Kiplagat, die zur KIMbia-Trainingsgruppe von Dieter Hogen gehört. Die Kenianerin lief 71:08 Minuten und hatte exakt 30 Sekunden Vorsprung vor Alice Chelangat (Kenia). Dritte wurde Nina Rillstone (Neuseeland/71:41).
In London fand ein 5-km-Frauenlauf mit 20.000 Athletinnen statt. Zeitgleich wurden auch Frauenrennen in Birmingham und Liverpool gestartet. Im Hyde Park von London setzte sich Berhane Adere (Äthiopien) mit 15:24 Minuten knapp vor der Britin Jo Pavey (15:26) durch. Nur eine Sekunde später folgte Rita Jeptoo (Kenia) während Benita Johnson (Australien/15:29) Vierte wurde. Den Startschuss in London hatte Marathon-Weltrekordlerin Paula Radcliffe gegeben. Die Engländerin wollte zwar gerne, konnte aber aufgrund ihrer Schwangerschaft nicht mitrennen. Den 5-km-Lauf in Liverpool gewann die frühere Marathon-Weltrekordlerin Tegla Loroupe (Kenia) in 16:32 mit sechs Sekunden Vorsprung vor Sonia O’Sullivan (Irland).
Währenddessen wurde bekannt, dass Sonja Oberem beim Berlin-Marathon am 24. September ihr Comeback über die 42,195 km laufen wird. Die 33-jährige Deutsche hatte vor zwei Jahren beim Berlin-Marathon mit einem dritten Platz in 2:26:53 Stunden ihre erfolgreiche Marathon-Karriere eigentlich beendet. Doch nach einer Babypause entschloss sich die Läuferin von TSV Bayer Leverkusen nun, noch einmal einen neuen Anlauf zu nehmen. In Berlin wird Sonja Oberem in einem sehr starken Frauenfeld unter anderen auf die Olympiasiegerin Mizuki Noguchi (Japan) und Gete Wami (Äthiopien) treffen.
„Ich habe im Februar wieder mit richtigem Training angefangen, denn das Laufen macht mir einfach Spaß”, erklärte Sonja Oberem und fügte hinzu: „In Berlin zu starten, war immer ein Wunsch – aber manchmal gibt es ja einen Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Ich bin froh, dass ich gut trainieren konnte und daher an den Start gehen kann.” Dass Mizuki Noguchi und Gete Wami in einer anderen Kategorie laufen werden, ist klar. „Mein Ziel ist eine Zeit knapp unter 2:30 Stunden. Wenn ich die erreiche, wäre ich froh. Aber es muss natürlich am Tag X auch alles stimmen”, erklärte Sonja Oberem.
Über Jahre hinweg war Sonja Oberem in der Ära nach Uta Pippig und Katrin Dörre-Heinig die beste deutsche Marathonläuferin. Bei den Europameisterschaften in München 2002 hatte sie im Marathon Bronze gewonnen. Die Olympia-Achte von 1996, deren persönliche Bestzeit bei 2:26:13 Stunden steht, hat eine international außergewöhnliche WM-Marathon-Serie erreicht: Die Ränge acht, sieben, sechs und fünf belegte sie in Reihenfolge bei den alle zwei Jahre stattfindenden Titelkämpfen von 1995 bis 2001.
Währenddessen gab die Marathon-Elfte der EM, Claudia Dreher (Gänsefurther SB) ihre Startzusage für den Frankfurt-Marathon. Claudia Dreher ist seit Jahren eine der besten und formstabilsten deutschen Marathonläuferinnen. Sie feierte im Jahr 1997 Siege in Houston und in Lissabon, wurde ein Jahr später Deutsche Meisterin und Dritte in Frankfurt, ihre Bestzeit (2:27:55) stammt aus dem Jahr 1999. Es folgten insgesamt drei Siege in Köln (2002, 2004, 2005) und nochmals ein Erfolg in Lissabon (2001). In internationalen Meisterschaftsrennen kam die Marketing-Kommunikationswirtin bei der Europameisterschaft 1998 auf Rang 10, eine Saison danach wurde sie in Sevilla WM-Neunte. Ihre internationale Karriere begann bereits im Jahr 1990 als Fünfte der Junioren-WM über 10.000 Meter.