Kirschen – gesunde Früchte bei Groß und Klein beliebt

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von Janett Walter

Phytochemikalien und ihr
gesundheitlicher Nutzen

Nährwert

Einkaufstipps

Jedes Jahr im Frühling verzaubert uns ihr Anblick aufs Neue: In den Kirschgärten entwickeln sich die zarten Knospen zu einem herrlichen Kleid aus weißen und rosa Blüten – die Kirschblüte hat begonnen. Später – zum Sommer hin – werden aus den Blüten köstliche Früchte, die bei Groß und Klein gleichermaßen beliebt sind.

Kirschen zählen zu den ältesten kultivierten Früchten, die wir kennen. Hinweise für den Kirschanbau reichen zurück bis 300 v. Chr. Heutzutage wird diese beliebte Sommerfrucht in Europa, Asien und Nordamerika angebaut. Ursprünglich(1) stammt sie jedoch vermutlich aus Zentralasien. Es wird angenommen, dass die Sauerkirsche aus einer Kreuzung zwischen der Süß- und der so genannten Steppenkirsche entstanden ist, die an kleinen Sträuchern wächst.

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Interessanterweise erfolgte die Verbreitung der Kirsche von Asien nach Europa nicht durch den Menschen. Vielmehr wird vermutet, dass Zugvögel auf ihren Flügen Kirschen mit sich trugen und die Kerne entlang ihrer Routen fallen ließen. Später dann, begannen die Griechen und Römer mit dem Kirschanbau in Europa.

Nebenbei bemerkt: Traverse City, eine Stadt in Michigan (USA), bezeichnet sich selbst als „Welthauptstadt der Kirschen” und feiert jedes Jahr im Juli das „Nationale Kirsch-Festival”.


Phytochemikalien und ihr gesundheitlicher Nutzen

Die Berichte über den gesundheitlichen Nutzen von Kirschen haben ein breites Spektrum. Es reicht von einer möglicherweise schmerzlindernden Wirkung bei Arthritis und Gicht, über antioxidative und anti-entzündliche Wirkungen bis hin zur potenziellen Reduzierung von Symptomen des metabolischen Syndroms. Darüber hinaus könnte sich der Verzehr von Kirschen auch günstig gegen Darm- und Brustkrebs auswirken, die kardiovaskuläre Gesundheit verbessern sowie den Alterungsprozess verlangsamen. Außerdem sind sie möglicherweise wirksam gegen neurodegenerative Prozesse.

Wie die Beeren, so erhalten auch Schale und Fruchtfleisch der Kirsche ihre rote Färbung durch Phytochemikalien, den so genannten Anthocyanen. (Lesen Sie dazu mehr in unserem Artikel „Beeren - Ein gesundes und köstliches Sommervergnügen“). Chemisch betrachtet, gehören Anthocyane zur Gruppe der Flavonoide, die wiederum eine Untergruppe der Polyphenole sind. Sie sind als kraftvolle Antioxidantien bekannt, die anti-entzündliche, kardioprotektive und anti-karzinogene Eigenschaften haben können. Studien zufolge, enthalten Sauerkirschen deutlich höhere Konzentrationen an Anthocyanen als Süßkirschen.

In Bezug auf die gesundheitsfördernden Eigenschaften von Kirschen wird häufig über die möglichen schmerzlindernden Wirkungen bei Arthritis und Gicht berichtet. Was sind mögliche Ursachen für diese Wirkung?

Es wurde festgestellt, dass beispielsweise die in Sauerkirschen enthaltenen Anthocyane sich hemmend auf bestimmte Enzyme, die so genannten Cyclooxygenasen-1 und -2, auswirken(2). Insbesondere die Cyclooxygenase 2 spielt eine Rolle bei der Entwicklung von entzündlichen Prozessen und Schmerz.

Außerdem haben Versuche(3) mit Süßkirschen (Bing-Kirschen) gezeigt, dass sie die Werte von Harnsalz im Plasma senken und auf diese Weise gegen Gicht wirksam sein könnten. Gicht tritt auf, wenn sich Harnsäurekristalle (Urat) in Gelenken und/oder Weichteilen ablagern. Zudem haben diese und weitere Studien aufgezeigt, dass Süßkirschen bestimmte Entzündungsmarker im Blut senken können.

Weitere Forschung, die einen größeren Einblick über die Wirkungsweise von Kirschen auf Arthritis und Gicht liefern soll, ist in Arbeit. Nach Angaben der U.S. National Institutes of Health (nationale Zentren der biologisch-medizinischen Forschung in den USA) wird derzeit ein klinischer Versuch durchgeführt, bei dem die Wirkung von Sauerkirschsaft auf die Schmerzen von Menschen mit Knie-Osteoarthritis im Vordergrund steht. Der zweite Schwerpunkt dieser Studie befasst sich mit der Wirkung von Sauerkirschsaft auf die Serum-Harnsäurewerte.

Eine kleine, 14 Testpersonen umfassende Studie, die von Forschern der University of Vermont (USA)(4) durchgeführt wurde, könnte für Athleten von Interesse sein. Untersucht wurde die Wirkung eines Sauerkirschsaftes (0,35 Liter Saft von Montmorency-Kirschen, was etwa 50 bis 60 Früchten entspricht) oder eines Placebos, auf die Symptome eines belastungsinduzierten Muskelschadens. Der Saft bzw. das Placebo musste acht Tage lang, zweimal täglich getrunken werden. Die Einnahme erfolgte drei Tage vor und weitere vier Tage nach der körperlichen Belastung. Sie bestand aus zwei Sätzen à 20 Streck- und Beugebewegungen mit starker Belastung des Oberarms. Im Ergebnis zeigte sich bei der Gruppe, die den Kirschsaft getrunken hatte, sowohl ein signifikant geringerer Kräfteverlust als auch eine deutlich geringere Schmerzentwicklung.

Forscher der University of Michigan (USA)(5) untersuchten den Nutzen von Sauerkirschen in Hinblick auf die Symptome des metabolischen Syndroms. Der American Heart Association zufolge, können folgende Symptome zum metabolischen Syndrom gehören: abdominale Fettleibigkeit, erhöhter Blutdruck, niedrige HDL-Werte (gutes Cholesterin) und hohe LDL-Werte (schlechtes Cholesterin). Weitere Konsequenzen sind möglicherweise Insulinresistenz (eine herabgesetzte Fähigkeit der Zellen auf das körpereigene Insulin anzusprechen und damit Glukose aufzunehmen; in der Folge muss der Körper mehr Insulin produzieren, um Glukose im Blut abzubauen) und Glukose-Intoleranz (eine Vorstufe von Diabetes, sie liegt zwischen einer normalen Glukosetoleranz und Diabetes).

Die Wissenschaftler fügten dem Futter von Ratten, die eine Prädisposition für Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte und eine gestörte Glukose-Toleranz hatten, Sauerkirschen (Montmorency-Kirschen) in pulverisierter Form bei. Der Anteil des Kirschpulvers betrug bei einer Gruppe 1 % und bei einer weiteren Gruppe 10 % der Gesamtfuttermenge. Anschließend wurden die Werte beider Gruppen mit den Werten von Ratten verglichen, die kein Kirschpulver erhielten. Bei beiden Konzentrationen wurden niedrigere Gesamtcholesterin-, Triglycerid- und Blutzuckerwerte gemessen, als bei den Tieren, die keine Kirschen erhalten hatten. Außerdem hatten die mit Kirschen gefütterten Ratten weniger oxidativen Stress und geringere Gehalte von Fett in der Leber, sowie eine erhöhte Ausprägung eines Genes, das die Fettverbrennung im Körper fördert.

Um weitere Erkenntnisse über die Eigenschaften von Sauerkirschen zu erlangen, wurden Ratten in die Studien(6) einbezogen, die eine Prädisposition für Fettleibigkeit aufwiesen. Die mit Kirschen gefütterte Gruppe (1 % pulverisierte Sauerkirschen) nahm weniger Gewicht zu, setzte weniger Bauchfett an und zeigte, wie bereits in der vorangegangenen Studie, niedrigere Cholesterin- und Triglyceridwerte als die Gruppe, die nicht mit Kirschen gefüttert worden war. Die Wissenschaftler untersuchten zudem die Werte von zwei Entzündungsmarkern im Blut, die mit Herz-Kreislauferkrankungen assoziiert werden. Dabei stellten sie fest, dass auch diese Werte in der mit Kirschen gefütterten Gruppe niedriger waren.

Die Forscher nehmen an, dass die positiven Wirkungen von Sauerkirschen auf Symptome des metabolischen Syndroms auf den Anthocyan-Gehalt in Kirschen zurück zu führen sind. Zur weiteren Erforschung dieser Wirkungen, ist eine klinische Studie geplant.

Ein weiterer interessanter Aspekt der Kirsche ist ihr Melatonin-Gehalt. Eine 2001 im Journal of Agricultural and Food Chemistry veröffentlichte Studie(7) besagt, dass der Melatonin-Gehalt der Montmorency-Sauerkirsche etwa 13,5 ng pro Gramm Fruchtfleisch betragen kann. Melatonin ist ein Hormon, das bei Dunkelheit in der Zirbeldrüse produziert wird und nicht nur zur Regulierung des Schlafes benötigt wird, sondern auch als kraftvolles Antioxidant gilt.


Nährwert

Kirschen tragen nicht nur wegen ihres Gehaltes an Phytochemikalien zu unserer Gesundheit bei, sie sind auch ein großartiger Lieferant von Vitamin C und A sowie Kalium. Die in der nachstehenden Nährwerttabelle(8) aufgeführten Werte beziehen sich auf 100 g Kirschen.

Nährwerte Süßkirschen, roh Sauerkirschen, roh
Kalorien 63 kcal 50 kcal
Kohlenhydrate 16 g 12 g
Ballaststoffe 2 g 2 g
Protein 1 g 1 g
Fett 0 g 0 g
Wasser 82,2 g 86,1 g
Vitamine C A & C
Mineralien Kalium Kalium, Kupfer, Mangan


Einkaufstipps

Die Kirschsaison in Deutschland erstreckt sich von Juni bis August. Sie sind als frische Früchte, gefroren oder auch getrocknet zu haben. Die frischesten Kirschen bekommen Sie unserer Meinung nach auf den örtlichen Wochenmärkten. Wenn Sie die Wahl haben, suchen Sie sich die Früchte lieber selber aus, bevor Sie zu abgepacktem Obst greifen. So haben Sie die Möglichkeit, die Kirschen mit weichen dunklen Flecken auszusortieren. Qualitätsmerkmale für frische Kirschen sind eine glänzende Schale, festes Fruchtfleisch und ein festsitzender, grüner Stiel.

Frische Kirschen sollten gleich nach dem Kauf verzehrt oder im Kühlschrank aufbewahrt werden, da sie schnell verderben.

Am besten Sie machen um die bekannte Maraschino-Kirsche einen weiten Bogen. Sie wird häufig mit Eiscreme und in Cocktails serviert. Zur Herstellung dieser Kirsche werden Zuckersirup sowie künstliche Farb- und Geschmacksstoffe verwendet. Beachten Sie auch, dass verschiedene Kirschkonserven ebenfalls Zucker, Konservierungsstoffe und künstliche Farbstoffe enthalten können.

Wenn Sie gerne Sauerkirschsaft trinken, sollten Sie nach Produkten Ausschau halten, die als Fruchtsaft bezeichnet werden. Häufig werden Sie Kirschsaft in der Kombination mit Apfelsaft finden. Lassen Sie Produkte mit der Aufschrift „Fruchtnektar“ oder „Fruchtsaftgetränk“ lieber im Regal stehen. Lesen Sie auf jeden Fall die Inhaltsstoffe auf dem Etikett und verzichten Sie auf Saft, dem künstliche Geschmacks- und Farbstoffe sowie Zucker, Fruktose-Glukose Sirup und künstliche Süßstoffe zugesetzt sind. Wir empfehlen, Kirschsaft im Verhältnis 1 zu 1 vorzugsweise mit stillem Wasser oder Mineralwasser zu mischen. So erhalten Sie ein wirklich erfrischendes Sommergetränk und eine schmackhafte Alternative zu Limonaden. (Mehr dazu erfahren Sie in unserem Artikel „Wasser”.)

Noch ein süßer Kirschen-Tipp: Getrocknete mit dunkler Schokolade überzogene Kirschen gehören zu unseren Favoriten. Mehr über den gesundheitlichen Nutzen von dunkler Schokolade lesen Sie in unserem Artikel „Schokolade - Soll ich oder soll ich nicht?”.

Genießen Sie die Kirschsaison!

Quellenangaben:

(1) Rieger M: Cherries (Prunus avium, Prunus cerasus). In: Rieger M: Introduction to Fruit Crops. The Haworth Press, Binghamton 2006;143-145.

(2) Tall JM, Seeram NP, Zhao C, Nair MG, Meyer RA, Raja SN: Tart cherry anthocyanins suppress inflammation-induced pain behavior in rat. Behavioural Brain Research 2004;153:181-188.

(3) Jacob RA, Spinozzi GM, Simon VA, Kelley DS, Prior RL, Hess-Pierce B and Kader AA: Consumption of Cherries Lowers Plasma Urate in Healthy Women. The Journal of Nutrition 2003:133(6)1826-1829.

(4) Nachbur J, Office of Health Promotion Research, University of Vermont: Research Shows Cherry Juice May Prevent Muscle Damage Pain. www.uvm.edu/~ohpr/?Page=News&storyID=8340, Juni 2006.

(5) Garwin K, University of Michigan Health System, UMHS Newsroom: A cherry on top: Animal study suggests tart cherries can alter factors linked to heart disease and diabetes.
www.med.umich.edu/opm/newspage/2007/cherries.htm, April 2007.

(6) Bolling SF, University of Michigan Health System, UMHS Newsroom: Tart cherries may reduce factors associated with heart disease and diabetes.
www2.med.umich.edu/prmc/media/newsroom/details.cfm?ID=148, April 2008.

(7) Burkhardt S, Tan DX, Manchester LC, Hardeland R and Reiter RJ: Detection and Quantification of the Antioxidant Melatonin in Montmorency and Balaton Tart Cherries (Prunus cerasus). Journal of Agricultural and Food Chemistry 2001:49(10)4898-4902.

(8) NutritionData—Nutrition Facts and Calorie Counter: Raw Sweet Cherries, Raw Sour Cherries. www.nutritiondata.com, Juli 2008.