Der Versuch, sich eine Woche lang gesund zu ernähren – Teil 1

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Wer sich gesund ernährt, wurde lange Zeit als ,Körnerfresser’ verschrien, gesunde Kost galt als Essen für Zahnlose. Inzwischen hat ein Umdenken eingesetzt. Wir wissen, dass unsere Ernährung einen großen Einfluss hat, sowohl auf unsere Gesundheit, unser Energielevel als auch die Umwelt, und so gehört eine gesunde Ernährung für immer mehr Menschen zur grundsätzlichen Lebenseinstellung. Ein Trend, auf den auch die Lebensmittelindustrie allmählich reagiert und die wachsende Nachfrage nach Vollwert-Produkten bedient.

Doch die Mühlen mahlen langsam. Sehr langsam. In vielen westlichen Ländern ist es noch immer ein schwieriges Unterfangen, sich wirklich gesund zu ernähren. In Deutschland beispielsweise schießen Bioläden momentan zwar wie Pilze aus dem Boden, in den Auslagen der Supermärkte sieht man immer mehr Öko-Produkte und in vielen Restaurants wird zum Dipp mittlerweile auch schon mal ein Vollkornbrötchen anstelle des üblichen Weizenbaguettes gereicht. Sich jedoch den ganzen Tag über gesund zu ernähren – das ist in Deutschland noch immer richtig schwer. Vor allem für gestresste Berufstätige. Denn ohne wirklich Zeit zu haben, ohne den eigenen Kühlschrank in Reichweite und ohne einen Bioladen um die Ecke, kann die Suche nach einer gesunden Mahlzeit schon recht abenteuerlich werden …

Unsere Serie soll einen kleinen Einblick in das Leben von drei jungen Menschen geben, die sich zwar gerne gesund ernähren möchten, aber aufgrund mangelnden Wissens und mangelnden Angebots im Alltag immer wieder scheitern. Wir wollten testen, wie schwer es wirklich ist, sich gesund zu ernähren und haben drei Versuchskaninchen ins Rennen geschickt: Marie, Sandra und Stefan. Alle drei leben in Berlin, sind Ende zwanzig und berufstätig. Ihre Aufgabe: Eine Woche lang ein Ess-Protokoll führen! Unser Ziel: Herausfinden, welche Probleme bei der Suche nach gesundem Essen auftauchen und wo man an seine Grenzen stößt! Wie so viele Menschen stehen auch Marie, Sandra und Stefan oft ratlos und verwirrt vor den Werbebotschaften der Lebensmittelkonzerne, die ihren Produkten gern allerlei Gesundheitsförderndes andichten, und hangeln sich oft eher ahnungslos von Mahlzeit zu Mahlzeit. Da unsere Protagonisten zum Zeitpunkt ihrer Testwoche noch nichts von unserer Take The Magic Step™ -Ernährungs-Philosophie wussten, mussten sie sich auf eigene Faust durch den Ernährungsdschungel schlagen. Daher müssen wir auch dringend darauf hinweisen, dass wir das Essverhalten unserer Testpersonen nicht zum Nachahmen empfehlen! Wissenschaftlich fundierte Tipps zu gesunder Ernährung finden Sie in unserer Rubrik ,Ernährung’. Hier bekommen Sie einen Einblick in einige der grundlegenden Ernährungsprinzipien des Take The Magic Step™-Programms, das wir in den kommenden Monaten noch erweitern werden, sowie viele weitere Ideen und Anregungen.

Obwohl unsere Testpersonen noch weit von den Grundprinzipien des Take The Magic Step™-Programms entfernt sind, bemühen sie sich, sich täglich möglichst gesund zu ernähren. Dennoch gibt es deutliche Unterschiede zwischen den dreien: Während Stefan schon vor einigen Jahren die gesunde Ernährungsweise für sich entdeckt hat, steht Marie noch ganz am Anfang und versucht gerade einmal seit ein paar Wochen, eine gesündere Lebensweise für sich zu entwickeln. Sandra befindet sich genau im Mittelfeld – seit ungefähr einem Jahr ist sie bemüht, ihren Hunger auf möglichst gesunde Weise zu stillen. Doch allen ist eins gemein: die Schwierigkeit, im Alltagsstress ausschließlich gesunde Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Und damit sind sie nicht allein: Obwohl unsere Testpersonen in Deutschland leben, ist ihr Problem doch ein universelles.

In diesem ersten Teil unserer Serie beobachten wir Marie und ihre Versuche, sich in einer Arbeitswoche gesund zu ernähren. Am Ende eines jeden Tages geben wir ihr und Ihnen einen kurzen, praktischen Tipp. Obwohl Marie viel verändern könnte, möchten wir uns dennoch auf einen Veränderungsvorschlag beschränken, da sich die Ernährungsphilosophie des Take The Magic Step™-Programms auf langsamen, leicht durchführbaren Veränderungen begründet, deren Summe große Wirkung haben kann. In den nächsten Teilen unserer Serie werden wir Stefan und Sandra beobachten und weitere Empfehlungen geben, wie sie in verschiedenen Situationen besser hätten handeln können. Wir hoffen, dass Sie diese Empfehlungen ebenfalls nutzen können, wenn Sie sich in ähnlichen Situationen wiederfinden.

Heute:
Marie – 29 Jahre alt, Redakteurin, zu Hause in Berlin-Pankow

Montag - Ein klassischer Bürotag

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9.15 Uhr: In der Küche erwartet mich eine Scheibe getoastetes Roggenvollkornbrot mit fettarmem Käse (Roggenbrot ist für mich noch eine Überwindung, aber getoastet ist es nicht ganz so schlimm), ein mittelweich gekochtes Ei, dazu ein frisch gepresster Grapefruit-Orangensaft. Gestärkt und mit dem guten Gefühl, etwas Gesundes im Magen zu haben, geht’s ab ins Büro.
12.30 Uhr: Ein erstes Hungergefühl. Da lediglich die Aussicht auf eine in der Mikrowelle aufgewärmte Mahlzeit besteht, wozu ich vom Erdgeschoss in die dritte Etage müsste, nehme ich kein Essen von zu Hause mit. So gehe ich mit der Praktikantin zum arabischen Imbiss um die Ecke und bestelle einen Muktar-Teller: Haloumi, Falafel, Humus und Salat.
20.30 Uhr: Nach dem Haloumi zum Mittag soll das Abendessen leichter sein. Wir gehen zum Griechen, also keine guten Voraussetzungen. Fast alles ist frittiert, mit Sahnesauce übergossen oder mit Knoblauch versetzt (Knoblauch ist zwar gesund, geht aber aus Geruchsgründen nicht, wenn ich am nächsten Tag wieder arbeite). Also entscheide ich mich für eine Fischsuppe und einen Tomatensalat.
23.30 Uhr: Eingeschlafen. (Fazit: Bin ganz zufrieden mit mir!)

Tipp des Tages: Zwischen dem Frühstück und Mittagessen könnte Marie Obst essen, das sie von zu Hause mitbringt. Ein Apfel ist immer gut. Beim arabischen Imbiss sollte sie weniger Haloumi, dafür mehr Humus und Salat essen.

Dienstag – Casting in Dortmund

7.00 Uhr: Weil ich weiß, dass es wahrscheinlich erst mal nichts zu essen gibt, will ich gut vorsorgen: Ich esse ein getoastetes Roggenvollkornbrot mit Kräuterquark und Rührei. Vollkornbrot schmeckt mir immer noch nicht so richtig, ich will jedoch hartnäckig bleiben.
8.30 Uhr: Am Hauptbahnhof angekommen, holt sich mein Casting-Kollege ein Weizenbaguette, um für die dreistündige Zugfahrt nach Dortmund präpariert zu sein. Leuchtet mir ein, aber Weizenbaguette ist ja nicht so optimal. Leider gibt’s absolut nichts anderes. Also nehme ich eins mit Tomate und Ei.
12.30 Uhr: In Dortmund müssen wir schnell noch was essen, denn die Protagonisten werden uns bestimmt nichts anbieten. Unter Zeitdruck suchen wir auf dem Weg zum Casting einen gesunden Schnellimbiss (ist ja von Vornherein zum Scheitern verurteilt). Da wir um 13.00 Uhr den Termin haben, schaffen wir es nicht ins Restaurant. Aus Verzweiflung und Zeitnot landen wir im China-Imbiss. Dort gibt’s ein Mittagsbuffet, bestehend aus Schweine-, Enten- und Rindfleischgerichten. Als Vegetarierin kann ich mich lediglich von den Beilagen bedienen: gebratene Nudeln, gebratener Reis, gebratenes Gemüse, vier Mini-Frühlingsrollen. Schlechtes Gewissen ob der vielen Stärke und des vielen Fetts! Wie gerne hätte ich anstelle dessen einen knackigen Salat mit etwas gebratenem Fisch gegessen – doch der war leider nirgends aufzutreiben…
22.30 Uhr: Ankunft im Hotel in Kassel mit Loch im Bauch.
Ab 22.00 Uhr ist es leider schwer, dort etwas vernünftiges zu essen zu bekommen. Neben dem Hotel ist ein Thai-Restaurant, wir bekommen noch ganz schnell ein Abendessen. Alles ist ganz schön teuer. Ich entscheide mich für gebratenen Reis mit Gemüse und Garnelen und schlinge alles gierig runter.
24.00 Uhr: Eingeschlafen. (Fazit: Kein so perfekter Ernährungstag!)

Tipp des Tages: Da Marie bereits im Voraus weiß, dass es ein hektischer Tag wird, könnte sie in Scheiben geschnittene Ananas sowie einen Apfel mitnehmen, um jederzeit einen kleinen Snack bereit zu haben. Auch ein Müsliriegel mit der Hauptzutat Bio-Hafer ist ein guter Snack, den Marie mit auf den Weg nehmen kann. Im China-Imbiss könnte sie als Vegetarierin gedünstetes Gemüse sowie Tofu bestellen.

Mittwoch – Zweiter Castingtag im Harz

9.30 Uhr: Frühstück im Hotel. Das Buffett ist auf den ersten Blick ziemlich reichhaltig, doch vergebens suche ich nach frischem Obst, Joghurt oder Müsli. Außerdem gibt es nur völlig überzuckerte Multivitamin-Säfte. So quäle ich mir eineinhalb Scheiben Roggenbrot rein mit diversem Käse und Räucherlachs. Dazu die Reste vom lieblos angerichteten Rührei und ein Kännchen Kaffee.
12.45 Uhr: Ankunft im Harz bei den Protagonisten. Uns wird ein Teller selbst gemachter Möhreneintopf angeboten. Ich würde gerne zugreifen, lehne aber ab, da ich noch satt vom Frühstück bin.
17.00 Uhr: Ich habe einen leeren Magen und schrecklichen Durst. Ich hoffe auf einen Teller Möhreneintopf, werde aber nicht mehr gefragt. Gegenüber ist ein Bäcker, die absolute Notlösung. Die Auslagen sind schon leer geräumt. Nur noch Kameruner, Pfannkuchen und Schokokrapfen grinsen mich an. Der Hunger ist zu groß, um widerstehen zu können. Habe kaum noch Geld, aber es reicht gerade, um mich und die Protagonisten mit Kuchen zu versorgen. Ich esse einen Schokokrapfen mit Creme-Füllung. Kurzes Glücksgefühl gefolgt von Bauchschmerzen, die mehrere Stunden andauern. Sehr schlechtes Gewissen und wenig später wieder Appetit!
20.15 Uhr: Vor der Abreise laden uns die Protagonisten zum Abendessen ein. Es gibt Nudeln mit Tomatensauce (die schmeckte sehr süß, deshalb vermute ich Ketchup als Zutat) und Wurststückchen. Dass ich kein Fleisch esse, sorgt für allgemeine Verwunderung. Da ich nicht unhöflich sein möchte, esse ich eine kleine Portion und sortiere die Wurst aus. Die Alternative wäre gewesen: gar nichts essen!
2.00 Uhr: Mit Magenknurren eingeschlafen. (Fazit: Diesen Tag kann ich aus ernährungstechnischer Sicht komplett streichen!)

Tipp des Tages: Wir empfehlen ein leichteres Frühstück – Marie könnte auf den Käse verzichten und das Brot auf eine Scheibe reduzieren. So hätte sie zum Mittagessen mehr Appetit. Zudem raubt ein großes Frühstück dem Körper Energie, da diese zur Verdauung der großen Menge Essen benötigt wird. Kleinere, in regelmäßigen Abständen zu sich genommene Mahlzeiten geben uns den ganzen Tag über mehr und lang anhaltende Energie.

Donnerstag – Wieder im Büro

15.00 Uhr: Eigentlich sollte das Mittagessen heute ausfallen, weil ich erst ziemlich spät und reichhaltig gefrühstückt habe. Bin jedoch heute mit einer freien Autorin zum Essen verabredet. Hätte ich beinahe vergessen. Also gehen wir zum Jamaikaner, zu dem sie unbedingt hin möchte. Auf der Karte suche ich nach gedünstetem Gemüse oder einem leichten Fischgericht – leider ohne Erfolg. Ich wähle das einzige vegetarische Gericht: Coconut vegetable stew (was auch immer das ist). Die Bedienung spricht nur Englisch, kann ich nicht, also bestelle ich einfach ohne nachzufragen. Anstelle von frischem Gemüse bekomme ich ein fettiges Püree aus überwürztem Reis, verkochtem Gemüse und einem kläglichen Salat. Hm!

Tipp des Tages: Wie gesagt, ist ein kleineres Frühstück empfehlenswert, da es mehr Kraft den ganzen Tag über gibt. Wenn Marie unerwartet ein Mittagessen zu sich nehmen muss, obwohl sie gar nicht hungrig ist, könnte sie dennoch weniger bestellen und zum Beispiel nur einen Salat essen.

Freitag – Bürotag

14.30 Uhr: Heute habe ich irgendwie keinen richtigen Hunger. Ich bin erkältet und hab am Vormittag viel Tee getrunken. Zum Essengehen habe ich mal wieder keine Zeit und Mikrowellenessen kommt nicht in Frage!
20.00 Uhr: Zu Hause bekomme ich eine Schüssel selbst gemachte Suppe mit Möhren, Broccoli, Blumenkohl, Kresse, Tofuwürsten und einem Schuss Sahne (wurde mir verheimlicht, dann aber versichert, der Schuss sei sehr klein gewesen).
24.00 Uhr:
Eingeschlafen.

Tipp des Tages: Die schlechte Ernährung und der Stress der letzten Tage können zu einem geschwächten Immunsystem führen, was sich heute bei Marie zeigt. Gemüsesuppe, Tee und auf den Tag verteilt etwas rohes Gemüse sollten ihr helfen, sich bald wieder besser zu fühlen.

Empfehlung an Marie: Eine langsame, schrittweise Umstellung ihrer Ernährungs- und Lebensgewohnheiten wird Marie helfen, zu mehr Kraft und Zufriedenheit im Alltag zu gelangen. Grundsätzlich könnte sie bessere Vorbereitungen für hektische Tage treffen und einige gehaltvolle Nahrungsmittel mitnehmen wie z.B. Äpfel, Vollkorn-Energieriegel und in Scheiben geschnittene Ananas. Vor allem sollte sich Marie jeden Abend etwa fünf Minuten Zeit nehmen, um ihre Ernährung für den nächsten Tag zu planen.

In zwei Wochen erfahren Sie, was unserem zweiten Versuchskaninchen Sandra bei der täglichen Suche nach gesundem Essen widerfahren ist und was wir von ihrer Ernährung halten!