Utas lockerer Lauf auf einer Lieblingsstrecke

© Private

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Hat Sie jemals jemand gefragt: “An was denken Sie während des Laufens?” … Ich weiß, dass mir diese Frage schon viele Male gestellt wurde. Meine Antwort ist immer die gleiche – es hängt sehr davon ab, wie schnell ich laufe. Wenn ich schnell laufe, muss ich konzentriert bleiben, um den maximalen Trainingseffekt zu erreichen. Bei schnellen Läufen gilt meine Aufmerksamkeit folgenden Dingen:

• Entspannte Lauftechnik

• Meinen Konkurrentinnen

• Ratschlägen meines Trainers

• Oder dem Erreichen einer bestimmten Zeit

Selten wandern meine Gedanken während eines Wettkampfes. Wenn ich aber einen lockeren Lauf mache (was ich zwischen harten Trainingsläufen tue), liebe ich es, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Warum gehen wir nicht zusammen laufen und lassen unsere Gedanken ganz einfach einmal spielen …

Der Start

Obwohl ich sehr gerne mit einem Joggingpartner laufe, finde ich die größte Ruhe, wenn ich alleine laufe. Keine Worte werden gesprochen – es ist wunderschön leise und friedlich und eine Unterbrechung des hektischen Alltagslebens. Die einzigen Geräusche machen meine Füße durch das rhythmische Aufsetzen auf den Boden, während sie mich voranbringen.

© Betty Shepherd

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Für diese Art Läufe suche ich mir Wege ohne Verkehr, mit einigen leichten Hügeln und einer schönen Landschaft. Einige meiner Lieblingswege befinden sich auf den folgenden Strecken:

• Die Ausläufer der Berge in der Nähe von Boulder, Colorado

• Die Wälder rund um Concord, Massachusetts

• Den „Whakarewarewa” Wald in Rotorua in Neuseeland

• Der Grunewald, ein wunderschöner Wald in Berlin

Am schönsten ist es natürlich bei milden und schönen Wetterbedingungen mit etwas Sonnenschein zu laufen. Aber auch wenn es kalt ist oder regnet, kann ich beim Laufen abschalten.

Bei so einem Lauf starte ich normalerweise mit einer Art schmerzendem Gefühl im Körper. Meine Muskeln sind immer noch kalt, fest und müde von der Belastung des vorangegangenen Tages. Meine Zellen betteln um Entlastung, sie bitten: „…bitte, laufe heute langsam. Bleibe in einem lockeren Tempo.“ Sie wissen nicht, dass das heute ein leichtes, relaxtes Training wird und dass sie sich keine Sorgen machen müssen. Während ich locker laufe, sagt mein Körper den müden Zellen: „…Ihr Milliarden kleinen Typen, beruhigt Euch, das ist ein ganz lockerer Lauf, keine Sorge“.

Nachdem ich den „Magic Step” aus der Haustür gemacht habe und mit dem lockeren Lauf beginne, falle ich prompt in ein leichtes Jogging-Tempo. Ich mache kleine Schritte während ich ein- und ausatme, erlaube mir, mich zu entspannen, und merke, wie mich ein beruhigendes Gefühl überkommt.

Während ich den Weg entlang renne, bin ich dankbar für die schöne Umgebung und fühle, wie ich fast eins werde mit der Natur. Dieses Gefühl macht mich aufgeregt und bescheiden zugleich. Ich versuche, während des Laufens alles in mich aufzunehmen – ob es das Beobachten der spielenden Vögel ist oder das Grüßen meines liebsten Baumes; ob es das wohlige Gefühl der Sonne auf meinem Gesicht und meiner Haut ist. Manchmal, wenn die Sonne im richtigen Winkel steht, spiele ich mit meinem Schatten und bin noch viel entspannter dadurch.

Mit all diesen gegenwärtigen Elementen ist es an der Zeit, dass mein Körper das Kommando übernimmt, ganz automatisch. Ich denke über nichts mehr nach, weder über die Strecke noch die Kilometer oder die Zeit (die spielt während dieser Läufe sowieso keine Rolle). In dieser Phase verliere ich mich in gelassener Meditation. Rhythmisch bewege ich mich vorwärts, fühle mich dabei leicht wie eine Feder und habe das Gefühl, als wenn der Weg an mir ,vorbeifliegen’ würde … und verliere mich in meinen Gedanken …

Gedanken

… Gedanken, Betrachtungen und Erinnerungen kommen wie zufällig, während mein Körper die Kontrolle übernommen hat. Es macht keinen Sinn, und es gibt keine Gründe für die Gedanken, die mir durch den Kopf schießen. Es können Gedanken vom Morgen oder dem gestrigen Tage sein; es können Betrachtungen einer früheren Diskussion oder Unterhaltung sein; ich schätze vielleicht eine mir entgegen gebrachte Kritik ein; ich könnte mich auch beim Lächeln entdecken, weil ich über etwas Lustiges nachgedacht habe; oder ich summe eine Melodie eines Songs vor mir her, der irgendwie in der Sammlung unzusammenhängender Bilder in meinem Kopf herumtanzt.

Welche Gedanken auch immer ich habe – sie wandern frei und unsortiert in meinem Kopf herum. Diese sorglose Art von ,Tagträumerei’ erlaubt mir, mich zu entspannen und zu befreien von allen Anspannungen.

Interessant ist, dass es eine Beziehung zwischen meinen Gedanken und meinem Lauf gibt. Ich renne meinen Weg auf der Strecke entlang und meine Gedanken rennen ebenfalls ihren Weg aus dem Dschungel der Verwirrtheit heraus zu einem freien Pfad, bis sie zur Ruhe kommen und geordneter erscheinen. Erst dann kann ich den entspannten Lauf dazu nutzen, mich tiefgründiger mit verschiedenen Aspekten meines Lebens zu beschäftigen. Das mag eine Rede sein, an der ich arbeite und in die noch tiefgründigere Betrachtungen einfließen müssen. Dieser Lauf erlaubt mir, meine Gedanken zu sammeln und sie richtig zu sortieren – ich bekomme eine Idee für eine einprägsame Einleitung, gehaltvolle Aussagen und einen wirkungsvollen Schluss eines Vortrages.

Laufen, wie eins mit der Natur und ganz locker, ist eines meiner liebsten Dinge im Leben. Ich laufe den Weg in Frieden und Harmonie und nehme die Schönheit meiner Umgebung auf. Da draußen auf einer wunderschönen Laufstrecke zu sein für einen Lauf von einer Stunde oder mehr, lässt mich mental und physisch gewinnen. Ich bekomme nicht nur meine Trainingskilometer zusammen, durch das freie und entspannte Laufen kann ich mich rein waschen. Ich komme zu Hause an und habe Antworten auf meine Fragen, erinnere mich an wichtige Dinge in meinem Leben (einen Geburtstag oder mit einem Freund wieder in Kontakt zu treten), und ich habe einen aufgefrischten Ausblick auf einen neuen Tag.

Das Ziel

Es ist interessant, dass ich den Moment, in dem die Spannung meines Körpers von meinem Sein gelöst wird, nicht mitbekomme. Gegen Ende meines Laufes merke ich meine kontrollierte Herzfrequenz, spüre Friede in meiner Seele und einen verjüngten Geist. Irgendwo während des letzten Kilometers packt mich die Vorfreude – ich weiß, dass mich zu Hause ein kaltes Glas Wasser, Früchte und ein erfrischendes Bad erwarten.

Wenn es vielleicht nur noch 1.000 Meter zu meiner Haustür sind, fühle ich mich, als wenn ich ,aufwache’ von meinem schönen Lauf. Es kommt mir vor, als sei ich nur fünf Minuten unterwegs gewesen, dabei bin ich 16 Kilometer gerannt. Ich schaue mir ein letztes Mal die Schönheit der Landschaft an und gehe ins Haus, genieße mein Glas Wasser, schreibe meine gesammelten Gedanken nieder und atme aus mit einem belebten Gefühl.