
Paul Lekuraa siegt einen Schritt vor Julius Kiprotich. © www.photorun.net
Der eine hatte Kopfschmerzen, die andere lief ein cleveres taktisches Rennen – beide gewannen: Paul Lekuraa und Mai Tagami siegten beim 26. Athen-Marathon, der inklusive der Läufe über kürzere Distanzen die Rekordzahl von 10.098 Meldungen registrierte. Der 25-jährige Kenianer stellte dabei trotz seines Handicaps mit 2:12:42 Stunden einen Veranstaltungsrekord auf. Den Streckenrekord hält der Olympiasieger von 2004, Stefano Baldini (Italien), mit 2:10:55. Lekuraas Zeit ist die achtbeste, die je auf der schweren Strecke von Marathon nach Athen gelaufen wurde. Bei windigem Wetter und steigenden Temperaturen von am Ende rund 20° Celsius lief die 28-jährige Mai Tagami 2:36:58 Stunden. Das ist die drittschnellste Siegzeit, die bei dieser Veranstaltung bisher erreicht wurde.
Nachdem im Männerrennen kurz nach der 30-Kilometer-Marke der höchste Punkt der rund 20 km ansteigenden Strecke erreicht worden war, liefen drei Kenianer mit deutlichem Vorsprung an der Spitze: Julius Kiprotich, der sich immer wieder um das Tempo bemühte, seine Konkurrenten aber nicht abhängen konnte, Paul Kogo und Paul Lekuraa. Auf dem Weg nach Athen entwickelte sich ein spannender Dreikampf, in dem der spätere Sieger die vermeintlich schlechtesten Karten zu haben schien. „Ich bin erst gestern in Athen angekommen, weil auf meinem Visum das Anreisedatum verwechselt worden war”, erklärte Paul Lekuraa und fügte hinzu: „Ich habe mich nicht gut gefühlt – ich hatte fast während des gesamten Rennens Kopfschmerzen und wollte zwischenzeitlich einmal schon aufgeben. Aber dann dachte ich mir, ich warte ab, vielleicht wird es besser. In der Endphase fühlte ich mich tatsächlich wieder gut und dachte mir, dass ich nun sogar gewinnen kann.”
Für den Sieg bedurfte es eines starken Spurtes im Athener Panathinaikon-Stadion – der Arena der ersten Olympischen Spiele 1896. Dabei setzte sich Paul Lekuraa vor einigen tausend begeisterten Zuschauern in 2:12:42 Stunden schließlich mit nur zwei Metern Vorsprung vor dem zeitgleichen Julius Kiprotich durch. Es war der fünfte kenianische Sieg in Folge beim Athen-Marathon. Dritter wurde Paul Kogo, der auf dem letzten Kilometer den Kontakt zur Spitze verloren hatte, und 2:12:49 lief. Auch er blieb noch deutlich unter dem bisherigen Veranstaltungsrekord von 2:14:40 Stunden, den Benjamin Korir 2007 aufgestellt hatte.
Es war kein geringerer als Paul Tergat, der den Sieger Paul Lekuraa für das Rennen empfohlen hatte. Der ehemalige kenianische Marathon-Weltrekordler sah im gemeinsamen Training, dass Lekuraa sehr gut in Form war. Tergat rief daher dessen Manager Zane Branson an und bat ihn, ein Rennen für Lekuraa zu finden. Branson wählte den Athen-Marathon. „Ich habe vier Monate lang mit Paul Tergat trainiert und war zuversichtlich vor meinem Start in Athen”, erklärte Paul Lekuraa, der aus der gleichen Gegend wie der Weltklasseläufer kommt. Beide trainieren in den Ngong-Hügeln nördlich von Nairobi. Lekuraas Bestzeit steht bisher lediglich bei 2:11:00 Stunden. Auf einer flachen Strecke hätte er dieses Ergebnis heute sicherlich deutlich unterboten. Eine Siegprämie von 6.000 Euro sowie einen Zeitbonus von 3.000 Euro verdiente Paul Lekuraa in Athen.

Mai Tagami feiert den größten Sieg ihrer Karriere in Athen. © www.photorun.net
Ein perfektes Jubiläum feierte Mai Tagami in Athen: Sie lief in ihrem 20. Marathonrennen zum größten Erfolg ihrer Karriere. Im Gegensatz zu den Männern fiel die Entscheidung bei den Frauen sehr deutlich aus. Die Japanerin war nach 2:36:58 Stunden im Ziel und hatte fast vier Minuten Vorsprung auf Elena Tikhonova (Russland/2:40:45). Dritte wurde die Griechin Georgia Ampatzidou mit 2:40:53.
Mai Tagami lief auf der schweren Strecke ein taktisch cleveres Rennen. Nachdem sie erst vor einem Monat den Melbourne-Marathon in 2:38:46 Stunden gewonnen hatte, wartete sie nach dem Start in Marathon bis zur Halbmarathonmarke bevor sie die Initiative ergriff. Hier setzte sie sich von der einzig verbliebenen Rivalin, Elena Tikhonova, ab. „Auf der ersten Hälfte hatte ich trotz des ansteigenden Kurses kein Problem, denn das Tempo war nicht schnell. Als ich dann alleine lief, wurde es schwerer”, erklärte Mai Tagami, für die dieser Sieg der größte Erfolg ihrer Karriere ist. „Ich bin stolz, dass ich in Athen gewonnen habe”, sagte die Japanerin, die eine Siegprämie von 6.000 Euro erhielt. Mai Tagami möchte sich nun beim Osaka-Marathon Ende Januar für die Weltmeisterschaften in Berlin 2009 qualifizieren. „In Osaka möchte ich meine Bestzeit steigern”, erklärte Mai Tagami, die bisher 2:29:43 Stunden erreichte.
Ein Marathonrennen muss für Mai Tagami wie ein besseres Training sein, denn sie trainiert wöchentlich bis zu 300 km – also im Schnitt dann mehr als eine Marathondistanz pro Tag. Mai Tagami ist Vollprofi und startet wie viele japanische Marathonläufer für ein Unternehmen, von dem sie bezahlt wird. ,Aruse’ heißt ihr Arbeitgeber – es ist eine Geschäftskette für Glücksspiele! „Ich selbst spiele aber nicht”, erklärt Mai Tagami. Sie verlässt sich lieber auf ihr läuferisches Talent.
Topzeiten beim Delhi-Halbmarathon
Dritte-Welt-Länder rücken mit erfolgreichen Laufveranstaltungen immer öfter in den Blickpunkt. Am Sonntag fand in Neu-Delhi ein Halbmarathonrennen mit insgesamt 25.000 Teilnehmern statt. Der Lauf durch Indiens Metropole produzierte auf einer flachen Strecke zudem hochklassige Siegzeiten.
So blieben bei den Männern beim Delhi-Halbmarathon gleich drei Läufer unter der Stunden-Barriere: Dabei setzte sich in einer Sprint-Entscheidung der Äthiopier Deriba Merga in 59:15 Minuten mit einer Sekunde Vorsprung vor Wilson Kipsang (Kenia) durch. Dritter wurde mit Wilson Chebet (59:34) ein weiterer Kenianer. Vier weitere Athleten blieben in dem hochkarätigen Rennen unter 61 Minuten. Der 26-jährige Deriba Merga verbesserte seine persönliche Bestzeit dabei um eine Sekunde und stellte die Jahresweltbestzeit von Haile Gebrselassie (Äthiopien) ein. Vor einem Jahr war er als Vierter der Halbmarathon-WM 59:16 Minuten gelaufen. Merga hat sich in den vergangenen zwei Jahren als Weltklasse-Straßenläufer etabliert. Beim London-Marathon im April wurde er Sechster in 2:06:38 Stunden.
Auch bei den Frauen gab es in Indiens Hauptstadt flotte Zeiten der Spitzenläuferinnen: Hier setzte sich, ebenfalls in einer Spurtentscheidung, Mergia Aselefech (Äthiopien) in 68:17 Minuten durch. Sie erreichte damit die drittschnellste Zeit des Jahres und gewann vor ihrer Landsfrau Genet Getanah (68:18). Dritte wurde die Kenianerin Peninah Arusei mit 68:20.
Regel-Ergänzungen bei WMM geplant
In der Folge der Entscheidung der Siegerin der zweiten World Marathon Majors (WMM)-Serie 2007-2008 planen die fünf Race-Direktoren Regel-Ergänzungen für den Fall eines zukünftigen Punkt-Gleichstandes. Nach dem New York-Marathon wurde die deutsche Läuferin Irina Mikitenko aufgrund eines Unentschiedens bei der Punktzahl als auch dem Ausgang der direkten Vergleiche mit Gete Wami (Äthiopien) nach einer Abstimmung der Race-Direktoren zur Siegerin erklärt. Dies entsprach dem Regelwerk, das, so Nick Bitel, der Jurist und Geschäftsführer des London-Marathons, innerhalb einer laufenden Serie nicht geändert werden sollte. Spätestens für die Serie 2009-2010 dürften bei einem Punkt-Gleichstand neben dem direkten Vergleich weitere Kriterien hinzukommen. Denkbar ist dabei, wie der Berliner Race-Direktor Mark Milde erklärte, dass die möglicherweise geringere Anzahl der Rennen eines Athleten als auch die Durchschnittszeit der WMM-Ergebnisse eines Läufers als zusätzliche Kriterien fixiert werden. Dies waren bereits die entscheidenden Aspekte, die die Race-Direktoren dazu bewegten, einstimmig für Irina Mikitenko zu stimmen. „Wir wollen die Regeln so verändern, dass wir eine weitere Abstimmung in der Zukunft vermeiden”, erklärte Mary Wittenberg, die Race-Direktorin des New York-Marathons. Boston und Chicago gehören ebenfalls zu der Serie.