
Meselech Melkamu, hier bei der Cross-WM vorne rechts, rannte eine sensationelle 10.000-m-Zeit in Utrecht. © www.photorun.net
Die 24-jährige Meselech Melkamu wurde in Utrecht zur zweitschnellsten 10.000-Meter-Läuferin aller Zeiten. Die Äthiopierin stellte bei dem Rennen in Holland am Sonntagabend überraschend einen Afrika-Rekord auf und war nach 29:53,80 Minuten im Ziel. Dabei blieb sie um knapp eine Sekunde unter dem Kontinentalrekord von ihrer Landsfrau Tirunesh Dibaba, die im vergangenen Jahr in Peking mit 29:54,66 Minuten Olympiasiegerin geworden war.
Meselech Melkamu hatte zuvor eine 10.000-m-Bestzeit von 31:04,93 Minuten. In Peking war sie bei Olympia über 5.000 m angetreten und hatte Platz acht belegt. Ihre größten Erfolge bei globalen Meisterschaften erreichte die Äthiopierin bisher im Crosslauf. Bei der WM war sie viermal Dritte. Silber hatte sie bei der Hallen-WM 2008 in Valencia über 3.000 m gewonnen. Ebenfalls im vergangenen Jahr wurde Melkamu Afrikameisterin über 5.000 m.
Die Kenianerin Florence Kiplagat belegte in Utrecht Platz zwei und stellte mit ebenfalls hochklassigen 30:11,53 Minuten einen Landesrekord auf. Auf Rang drei lief knapp dahinter Wude Ayelew (Äthiopien) in 30:11,87.
Der Weltrekord über 10.000 m steht bei 29:31,78 Minuten. Die Chinesin Wang Junxia war diese Zeit 1993 in Peking gelaufen.
Die schnellsten 10.000-m-Zeiten der Frauen
| 29:31,8 | Wang Junxia (CHN) | 1993 |
| 29:53,8 | Meselech Melkamu (ETH) | 2009 |
| 29:54,7 | Tirunesh Dibaba (ETH) | 2008 |
| 29:56,3 | Elvan Abeylegesse (TUR) | 2008 |
| 30:01,1 | Paula Radcliffe (GBR) | 2002 |
Kenenisa Bekele meldet sich in Berlin mit Sieg zurück
Weltrekordler und Olympiasieger Kenenisa Bekele hat sich mit einem Sieg zurückgemeldet. Der Äthiopier gewann am Sonntagnachmittag beim AF Golden League-Auftakt in Berlin den 5.000-m-Lauf in 13:00,76 Minuten. Dadurch ist er einen Tag nach seinem 27. Geburtstag im Rennen um den Jackpot von einer Million Dollar. Athleten, die bei allen sechs AF Golden League-Meetings jeweils ihre Disziplin gewinnen, partizipieren an der Dollar-Million.
Allerdings wirkte Kenenisa Bekele bei seinem ersten 5.000-m-Rennen seit Ende August 2008 noch nicht so souverän wie im vergangenen Jahr. Die angepeilte Meeting-Rekordzeit von unter 12:50 Minuten wurde beim DKB-ISTAF vor 63.896 Zuschauern im Berliner Olympiastadion deutlich verpasst. Durch das etwas langsamere Tempo war allerdings in der letzten Runde noch viel Spannung im Rennen, denn Bekele ging an der Spitze liegend mit vier Konkurrenten im Nacken auf die letzten 400 Meter.
Auf der Zielgeraden erwies sich Kenenisa Bekele jedoch als nicht zu schlagen. Kontrolliert rannte er an der Spitze und wehrte den Angriff der vier hinter ihm laufenden Kenianer ab. Abraham Chebii wurde Zweiter in 13:01,08 Minuten, Micah Kogo belegte Rang drei mit 13:01,30 und Vincent Chepkok kam als Vierter ins Ziel (13:01,35).
Für Kenenisa Bekele war es der erste Sieg seit einem 3.000-m-Rennen am 31. August 2008 in Gateshead (England). Diese ungewohnte Durststrecke des Äthiopiers erklärt sich mit einem Ermüdungsbruch im Fuß, den er während eines 15-Kilometer-Laufes in Holland im November 2008 erlitt. Dadurch konnte Bekele im Winter weder in der Halle noch im Cross an den Start gehen. Beim Meeting in Hengelo am 1. Juni hatte er über 1.500 m aufgegeben. Doch jetzt scheint Kenenisa Bekele wieder im Aufwärtstrend zu sein.
Ein hochkarätigeres Ergebnis gab es im 1.500-m-Rennen der Männer beim DKB-ISTAF. Hier gewann der Kenianer Augustine Choge in der Jahresweltbestzeit von 3:29,47 Minuten vor seinem Landsmann Haron Keitany (3:30,20). Dritter wurde mit William Biwott (3:32,34) ein weiterer Kenianer. Der 22-jährige Choge, der 2006 bereits bei den Commonwealth Games 5.000-m-Gold gewonnen hatte, rückte in Berlin in der Liste der schnellsten Läufer aller Zeiten immerhin auf Rang 13 vor. Dabei verpasste er den 24 Jahre alten ISTAF-Rekord von Said Aouita lediglich um eine Hundertstelsekunde. Der Marokkaner hatte 1985 in Berlin mit 3:29,46 einen Weltrekord aufgestellt.
Das 1.500-m-Rennen war jedoch auch aus deutscher Sicht erfolgreich, denn als Fünfter steigerte sich Stefan Eberhardt (LC Erfurt) auf beachtliche 3:33,92 Minuten. Damit stieg der 23-Jährige auf zum achtschnellsten deutschen 1.500-m-Läufer aller Zeiten. Eberhardt verbesserte seine bisherige Bestzeit (3:37,10) gleich um gut drei Sekunden und lief die schnellste Zeit eines Deutschen seit zwölf Jahren. 1997 waren Dieter Baumann (3:33,51) und Rüdiger Stenzel (3:33,60) noch etwas schneller als der Thüringer. Ebenfalls eine persönliche Bestzeit erreichte Carsten Schlangen (LG Nord), der als Zehnter 3:34,60 Minuten lief. Beide sind damit für die WM qualifiziert, die in zwei Monaten ebenfalls in Berlin stattfinden wird.
Dire Tune verpasst Tegla Loroupes Weltrekord nur knapp
Dire Tune sorgte für das läuferische Highlight beim hochklassigen Leichtathletik-Meeting von Ostrava (Tschechische Republik) am Mittwochabend. Die Äthiopierin verpasste bei einer Weltrekordjagd über die selten gelaufene 20.000-m-Distanz die Bestmarke von Tegla Loroupe (Kenia) nur ganz knapp. Die 24-Jährige, die im April beim Boston-Marathon Platz zwei belegt hatte, erreichte die 20-km-Marke auf der Bahn nach 1:05:35,3 Stunden und erzielte damit die zweitschnellste je gelaufene Zeit. Lediglich knappe neun Sekunden fehlten zum Weltrekord von Tegla Loroupe, die vor neun Jahren in Borgholzhausen 1:05:26,6 gelaufen war.
Im vergangenen Jahr hatte Dire Tune in Ostrava einen Weltrekord im Stundenlauf aufgestellt. Damals erreichte sie 18.517 Meter. Auch diese Marke versuchte sie am Mittwoch quasi nebenbei zu verbessern. Doch hier fehlten ihr 215 Meter (18.302 m).
Zweite über 20.000 m war die Kenianerin Leah Malot in 1:10:35,0 Stunden, Rang drei belegte mit deutlichem Abstand ihre Landsfrau Salina Jebet (1:17:08,3).
Nur drei Tage nach ihrem beeindruckenden 10.000-m-Rennen von Utrecht stellte Meselech Melkamu auch über 5.000 m eine Jahresweltbestzeit auf. Im Wechsel mit der Kenianerin Linet Masai bestimmte die Äthiopierin das Tempo in dem schnellen Rennen. Am Ende verfügte die 24-Jährige über das etwas bessere Spurtvermögen und gewann in 14:34,17 Minuten knapp vor der erst 19-jährigen Masai (14:34,36). Dritte wurde mit Vivian Cheruiyot (14:38,26) eine weitere Kenianerin. „Das war drei Tage nach dem 10.000-Meter-Lauf ein sehr hartes Rennen für mich, ich bin jetzt sehr müde”, erklärte Meselech Melkamu und fügte hinzu: „Ich hatte sehr gut trainiert und war entsprechend vorbereitet.”