
Auf dem Strand von Egmond kämpft die Spitzengruppe gegen den Wind. © Egmond-Halbmarathon / Veranstalter
Mitten im Winter wird in Holland über den Strand gelaufen. Und das Halbmarathonrennen von Egmond verzeichnet immer größeres Interesse. Die Rekordzahl von rund 13.000 Läufern wurde bei der 37. Auflage des Rennens registriert. Trotz Temperaturen um den Gefrierpunkt und einem eisigen Wind stellten die Afrikaner dabei einmal mehr die Sieger.
Schnellster Läufer im Rennen von Egmond, das teilweise direkt über den Sandstrand führt, so dass Spitzenzeiten auf der Strecke nicht möglich sind, war Wilson Kipsang. Der Kenianer erreichte nach 65:36 Minuten das Ziel und hatte 14 Sekunden Vorsprung auf den Holländer Michael Butter, der sich im Vergleich zum vergangenen Jahr um einen Rang verbesserte. Dritter wurde der Äthiopier Chala Dechase in 65:53. Dass die Zeiten an der Spitze etwas langsamer waren als in den letzten Jahren hing mit dem eisigen Wind zusammen.
Bei den Frauen gab es eine Überraschung, denn die 21-jährige Workitu Ayanu setzte sich vor Hilda Kibet durch. Die Äthiopierin Ayanu, die auf den Bahn-Langstrecken bereits gute persönliche Bestzeiten von unter 15 beziehungsweise unter 32 Minuten über 5.000 und 10.000 Meter vorweisen kann, gewann mit großem Vorsprung in 1:16:33 Stunden. Die aus Kenia stammende Hilda Kibet, die seit gut einem Jahr für Holland startet, war in 1:17:32 deutlich geschlagen. Die Cross-Europameisterin Kibet war als Favoritin an den Start gegangen, jedoch war sie in Egmond nicht in Topform. Eine gebürtige Holländerin, Ilse Pol, belegte Rang drei mit 1:19:21.
Afrikas Crossläufer dominieren in Edinburgh

Anspruchsvoll ist das Crossrennen im Holyrood Park von Edinburgh. © www.photorun.net
Afrikas Läufer haben den hochklassig besetzten Crosslauf in Edinburgh dominiert. Das Rennen, das zu einer Serie des internationalen Leichtathletik-Verbandes (IAAF) gehört, hat einmal mehr gezeigt, dass es die Europäer schwer haben, wenn es im Crosslauf zur Sache geht. Der Äthiopier Abebe Dinkesa und die Kenianerin Linet Masai waren die Sieger bei kühlem und windigem Wetter in Schottland.
Beim vorletzten Anstieg auf dem anspruchsvollen Kurs im Holyrood Park im Zentrum von Edinburgh ergriff Abebe Dinkesa die Initiative und löste sich aus der Spitzengruppe. Der 24-jährige Äthiopier gehörte vorher nicht zu den Topfavoriten, schaffte es aber, seinen Vorsprung von rund 20 Metern bis ins Ziel zu verteidigen. Für die 8,9 Kilometer lange Strecke benötigte Dinkesa, der in Edinburgh den größten Cross-Sieg seiner Karriere feierte, 26:51 Minuten. Auch auf Rang zwei gab es eine Überraschung: Der Kenianer Mang’ata Ndiwa belegte diesen Platz in 26:54 mit einer Sekunde Vorsprung vor dem eigentlichen Favoriten Zersenay Tadese (Eritrea), dem Cross-Weltmeister des Jahres 2007. Während Äthiopiens Superstar Kenenisa Bekele aufgrund eines Ermüdungsbruches im Knöchel in Edinburgh nicht als Vorjahressieger an den Start gehen konnte, wurde der Kenianer Eliud Kipchoge in 26:58 Minuten Vierter. Bester Europäer war der Cross-Europameister Sergiy Lebid (Ukraine), der als Zehnter nach 27:23 im Ziel war.
Besser schlug sich im Frauenrennen Großbritanniens Nachwuchshoffnung Stephanie Twell. Die 19-jährige Cross-Europameisterin der Juniorinnen belegte über 5,6 km einen beachtlichen vierten Platz in 19:16 Minuten und war nur zwei Sekunden von einem Podestplatz entfernt. Lediglich die dominierende Kenianerin Linet Masai (Kenia/19:02), die bei Olympia in Peking im 10.000-m-Finale als Vierte einen Juniorinnen-Weltrekord aufgestellt hatte, Mestawet Tufa (Äthiopien/19:13) und Viola Kibiwott (Kenia/19:14) waren schneller als Stephanie Twell. Als Achte kam die Cross-Vize-Europameisterin von 2008, Jessica Augusto (Portugal/19:34), ins Ziel.
Verwechslung ausgeschlossen: Boston-Sieger Cheruiyot konvertiert zum Islam
Robert K. Cheruiyot, einer der erfolgreichsten Marathonläufer der vergangenen Jahre, will sich nach langer Verletzungspause 2009 wieder zurückmelden. Der Kenianer hatte im April 2008 zum vierten Mal den prestigeträchtigen Boston-Marathon gewonnen und galt als einer der großen Favoriten für die Olympischen Spiele. Doch verletzungsbedingt konnte der 30-Jährige weder in Peking noch bei einem der Herbst-Marathonrennen an den Start gehen. Cheruiyot hatte 2007 die erste Serie der World Marathon Majors (WMM) gewonnen und hätte auch 2008 noch Chancen gehabt, wenn er im Herbst in Berlin, Chicago oder New York gewonnen hätte.
Wenn der Kenianer nun voraussichtlich beim Boston-Marathon an den Start gehen wird, dann unter einem neuen Namen: Ahmed Omar Kipkoech Cheruiyot will am 20. April zum fünften Mal gewinnen. Der Läufer, der eine Marathon-Bestzeit von 2:07:14 Stunden hat, ist zum Islam konvertiert. „Ich habe gemerkt, dass Glaube, Humanität und Erfolg untrennbar zusammen gehören“, erklärte Cheruiyot im Rahmen eines Benefiz-Fußballspiels in Nairobi im Dezember gegenüber der Internetseite des Leichtathletik-Weltverbandes iaaf.org. Auf einem Bild ist dabei zu erkennen, dass Cheruiyot sich während seiner Verletzungspause auch physisch verändert hat. Er hat deutlich an Gewicht zugenommen, so dass er zurzeit sicher nicht in der Lage ist, an seine Topleistungen anzuknüpfen. Dennoch hat der Kenianer große Pläne: Er will bei den Weltmeisterschaften in Berlin im August an den Start gehen und sein Fernziel ist das Marathon-Olympiagold in London 2012.
Im Oktober 2006 war das Bild von Cheruiyot um die Welt gegangen. Beim Sieg des Chicago-Marathons war der Kenianer kurz vor dem Ziel nach hinten ausgerutscht und hatte auf dem Boden rutschend die Ziellinie überquert. Dabei zog sich Cheruiyot eine Gehirnerschütterung zu.
Kenia hat derartig viele Lauftalente, dass auch zukünftig ein Robert K. Cheruiyot in der Marathon-Weltelite mitmischen kann. Der 20-Jährige Newcomer gewann den Frankfurt-Marathon im Oktober in der Kursrekordzeit von 2:07:21 Stunden. Verwechslungen der beiden, wie nach dem Frankfurt-Marathon, sind künftig dann ausgeschlossen.